{"id":991,"date":"2014-03-15T23:47:20","date_gmt":"2014-03-15T21:47:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/?p=991"},"modified":"2014-03-16T00:01:41","modified_gmt":"2014-03-15T22:01:41","slug":"die-grun-rote-landesregierung-in-baden-wurttemberg-reist-die-selbst-definierte-messlatte-bei-der-novellierung-des-landespersonalvertretungsgesetzes-lpvg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/?p=991","title":{"rendered":"Die gr\u00fcn-rote Landesregierung in Baden-W\u00fcrttemberg rei\u00dft die selbst definierte Messlatte bei der Novellierung des Landespersonalvertretungsgesetzes (LPVG)"},"content":{"rendered":"<p>Im Koalitionsvertrag zwischen B\u00dcNDNIS 90\/DIEGR\u00dcNEN und der SPD f\u00fcr\u00a0 die Jahre 2011 \u2013 2016 ist die Vereinbarung enthalten: \u201eim Personalvertretungsrecht werden wir die vorgenommenen Einschr\u00e4nkungen zur\u00fcckf\u00fchren und die Rechte der Interessenvertretungen mit Blick auf ihre verantwortungsvolle Aufgabenwahrnehmung ausbauen und st\u00e4rken\u201c [zit.: PUBLICUS &#8211; Der Online-Spiegel f\u00fcr das \u00f6ffentliche Recht, 2014.1] <a href=\"http:\/\/www.publicus-boorberg.de\/sixcms\/detail.php?template=pub_artikel&amp;id=boorberg01.c.271901.de\">http:\/\/www.publicus-boorberg.de\/sixcms\/detail.php?template=pub_artikel&amp;id=boorberg01.c.271901.de<\/a><\/p>\n<p>In der gleichen Ver\u00f6ffentlichung wird festgestellt, dass die gr\u00fcn-rote Landesregierung diesem Anspruch mit der im November 2013 beschlossenen Novellierung des LPVG eindeutig nicht gerecht geworden ist!<\/p>\n<p>Als jahrelanges Mitglied des Gesamtpersonalrates einer Landeshauptstadt im S\u00fcdwesten der Republik, und f\u00fcr VER.DI als Teamer f\u00fcr Personalr\u00e4te t\u00e4tig, ist mir eines sehr bewusst geworden: das Personalvertretungsrecht ist in Baden-W\u00fcrttemberg ganz besonders schlecht geeignet, die Rechte der Besch\u00e4ftigten im \u00f6ffentlichen Dienstbereich wirksam zu vertreten.<\/p>\n<p>Uns ist immer bewusst gewesen, dass die sich jeweils an der politischen Macht Befindenden \u2013 unabh\u00e4ngig von ihrer Parteizugeh\u00f6rigkeit &#8211; keinerlei Interesse daran haben, sich von Personalvertretungen, in der \u00f6ffentlichen Verwaltung, in Regierungen und Ministerien\u201a in \u00c4mtern und Beh\u00f6rden \u201ein die Suppe spucken\u201c zu lassen, also im Interesse der Besch\u00e4ftigten nennenswerte Einschr\u00e4nkungen ihrer Machtvollkommenheit hinzunehmen.<\/p>\n<p>Die oberste Leitungsebene im \u00f6ffentlichen Dienst \u2013 und hier und auch im Weiteren beziehe ich mich exemplarisch auf die Kommune \u2013 wird im LPVG die Dienststelle genannt. Ihr besonderer Doppelcharakter ergibt sich daraus, dass sie einerseits als faktischer Arbeitgeber (AG) fungiert, andererseits aber als gew\u00e4hlter Repr\u00e4sentant eines demokratischen Wahlprozesses auf kommunaler, auf Landes-\u00a0 oder Bundesebene.<\/p>\n<p>Der sogenannte \u201aDemokratie-Vorbehalt\u2018, der sich daraus ableitet, kommt den \u00f6ffentlichen AGn bisweilen wohl nicht ungelegen.<\/p>\n<p>Im Personalvertretungsrecht sind abgestufte Beteiligungsrechte der Personalr\u00e4te definiert, die von uneingeschr\u00e4nkter \u00fcber eingeschr\u00e4nkte Mitbestimmung zu Mitwirkung und Anh\u00f6rung reichen, weiter legt das Gesetz die Beteiligungstatbest\u00e4nde sowie den Verfahrensablauf f\u00fcr die Beteiligung fest.<\/p>\n<p>In allen diesen gesetzlichen Vorgaben sind vielf\u00e4ltige M\u00f6glichkeiten, die Rechte der Personalvertretungen weiter einzuschr\u00e4nken, enthalten \u2013 und wurden auch in der Vergangenheit entsprechend genutzt, z.B. wurden Beteiligungstatbest\u00e4nde von der uneingeschr\u00e4nkten in die eingeschr\u00e4nkte Mitbestimmung verschoben, damit also abgewertet.<\/p>\n<p>Eine zus\u00e4tzliche und drastische Einschr\u00e4nkung der Beteiligungsrechte der Personalr\u00e4te ist durch das Urteil des BVerfG vom 24. 05. 1994 bewirkt worden, dem zufolge Entscheidungen der Einigungsstelle \u201edie im Einzelfall wegen ihrer Auswirkungen auf das Gemeinwohl wesentlicher Teil der Regierungsgewalt sind, einem parlamentarisch verantwortlichen Amtstr\u00e4ger vorbehalten bleiben\u201c (vgl. \u00a7104 S.3 BPersVG).<\/p>\n<p>Das damit geschaffene\u00a0 Evokationsrecht gestattet es der Dienststelle, Entscheidungen der Einigungsstelle aufzuheben.<\/p>\n<p>Die wesentlichen Ver\u00e4nderungen im neuen LPVG :<\/p>\n<ul>\n<li>&#8211; Besch\u00e4ftigte sind jetzt grunds\u00e4tzlich alle, die tats\u00e4chlich in der Dienststelle besch\u00e4ftigt sind oder ausgebildet werden, auch die durch Abordnung, Zuweisung oder Personalgestellung au\u00dferhalb der Dienststelle eingesetzt sind.<\/li>\n<li>&#8211; Personalratsgr\u00f6\u00dfe in Dienststellen \u00fcber 1500 Besch\u00e4ftige erh\u00f6ht (auch GPR)<\/li>\n<li>&#8211; Freistellungen werden angehoben<\/li>\n<li>&#8211; Amtszeit erh\u00f6ht von 4 auf 5 Jahre<\/li>\n<li>&#8211; Evokationsrecht: sein Ausnahmecharakter soll dadurch hervorgehoben\u00a0 werden,\u00a0 dass es nicht mehr bei der Dienststelle liegt, sondern beim Hauptorgan (also dem Gemeinderat in Kommunen)<\/li>\n<li>&#8211; Wirtschaftsausschuss (\u00a768b) ist zu gr\u00fcnden in allen Dienststellen, deren Personalvertretung gr\u00f6\u00dfer als 7 ist; Aufgabe: Beratung von wirtschaftlichen Angelegenheiten und Unterrichtung der Personalvertretung, organisatorische Ver\u00e4nderungen, Rationalisierungsma\u00dfnahmen, Einf\u00fchrung neuer Arbeits- und Managementmethoden u.v.m.<\/li>\n<li>&#8211; gravierende Ver\u00e4nderungen im internen Gesch\u00e4ftsablauf der PersR\u00e4te durch Verlagerung von Aufgaben auf den Vorsitzenden, durch Bildung von Aussch\u00fcssen und Verlagerung von Kompetenzen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bewertung<\/p>\n<ul>\n<li>&#8211; Die Erweiterung der Gr\u00f6\u00dfe der Personalr\u00e4te und die h\u00f6here Zahl von Freistellungen sind ohne zus\u00e4tzliche Kosten nicht m\u00f6glich; also wird\u00a0 AG-seitig alles versucht werden, um die Kostensteigerungen zu unterlaufen oder zu umgehen, z.B. durch die Zusammenlegung oder Aufteilung von Dienststellen.<\/li>\n<li>&#8211; Dass das Evokationsrecht jetzt beim Hauptorgan ist, \u00e4ndert nichts daran, dass eben die letztendliche Entscheidungskompetenz in den erw\u00e4hnten F\u00e4llen nicht mehr bei der Einigungsstelle liegt.<\/li>\n<li>&#8211; der Wirtschaftsausschuss wird berufen und zusammen gesetzt von der Dienststelle, ist also schw\u00e4cher als im Bereich des BetrVG \u2013\u00a0 bei seinem breiten Themenspektrum ist seine Zusammensetzung besonders wichtig . . . das wird absehbar zum dauernden Streit-Thema zwischen Personalrat und Dienststelle.<\/li>\n<li>&#8211; Interne Arbeitsabl\u00e4ufe und Kompetenzverschiebungen im Gremium: hier dr\u00e4ngt sich der Verdacht auf, dass durch rechtliche \u00c4nderungen und \u00d6ffnungen das Gremium insgesamt geschw\u00e4cht und gespalten, bzw. der\/die Vorsitzende tendenziell zum \u201aKungeln\u2018 verlockt werden soll. All das wird als \u201aEffizienzsteigerung\u2018 von Arbeitsabl\u00e4ufen dargestellt: ganz wichtig wird sein, dass Personalr\u00e4te sich eine Gesch\u00e4ftsordnung geben, die alle Abl\u00e4ufe transparent macht und Vertrauen und Zusammenhalt im Gremium erh\u00e4lt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wer &#8211; wie der Autor dieses Beitrags \u2013 siebeneinhalb Jahre die GR\u00dcNEN als Gemeinder\u00e4te und B\u00fcrgermeister beobachtet hat, der konnte kaum etwas Besseres erwarten \u2013 sie sind ganz offensichtlich Arbeitnehmer-Interessen gegen\u00fcber nicht offener als die FDP! Dass die SPD sich f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten im \u00d6D ins Zeug gelegt h\u00e4tte, ist am neuen Gesetz auch nicht abzulesen.<\/p>\n<p>Fazit der LPVG-Novellierung ist: es ist der derzeitigen Landesregierung nicht im Entferntesten gelungen, das baden-w\u00fcrttembergische Personalvertretungsrecht vom hintersten Platz beim Vergleich mit den anderen Bundesl\u00e4ndern weg zu holen; es hat bisher die Nachhut unter allen L\u00e4ndern gebildet und dabei bleibt es!<\/p>\n<p>Johannes Schmidt, Stuttgart<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=wpv2posts991&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=wpv2posts991&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Koalitionsvertrag zwischen B\u00dcNDNIS 90\/DIEGR\u00dcNEN und der SPD f\u00fcr\u00a0 die Jahre 2011 \u2013 2016 ist die Vereinbarung enthalten: \u201eim Personalvertretungsrecht werden wir die vorgenommenen Einschr\u00e4nkungen zur\u00fcckf\u00fchren und die Rechte der Interessenvertretungen mit Blick auf ihre verantwortungsvolle Aufgabenwahrnehmung ausbauen und st\u00e4rken\u201c [zit.: PUBLICUS &#8211; Der Online-Spiegel f\u00fcr das \u00f6ffentliche Recht, 2014.1] http:\/\/www.publicus-boorberg.de\/sixcms\/detail.php?template=pub_artikel&amp;id=boorberg01.c.271901.de In der gleichen Ver\u00f6ffentlichung [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/991"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=991"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/991\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":993,"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/991\/revisions\/993"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=991"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=991"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=991"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}