{"id":926,"date":"2013-04-12T11:09:03","date_gmt":"2013-04-12T09:09:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/?p=926"},"modified":"2013-04-12T11:09:03","modified_gmt":"2013-04-12T09:09:03","slug":"kapitalismus-fuhrt-zu-kannibalismus-um-den-bildungshunger-von-benutzern-offentlicher-bibliotheken-zu-stillen-werden-hartz-iv-bezieher-ausgesaugt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/?p=926","title":{"rendered":"Kapitalismus f\u00fchrt zu Kannibalismus: Um den Bildungshunger von Benutzern \u00f6ffentlicher Bibliotheken zu stillen, werden Hartz-IV-Bezieher ausgesaugt."},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-200 alignleft\" alt=\"Foto: Stefan Dreher\" src=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/stefan-dreher-e1313395549700.jpg\" width=\"150\" height=\"175\" \/><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"center\">Glosse von Stefan Dreher<\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\">Den Zugang zu \u00f6ffentlichen Bibliotheken verteidigen wir. Und wir verteidigen dort das bestm\u00f6gliche Sortiment. Und: Wir wollen nicht, dass sogenannte Ein-Euro-Jobber regul\u00e4r Besch\u00e4ftigten die Arbeit wegnehmen (m\u00fcssen).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\">So.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\">Nun scheinen wir die Wahl zu haben:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\">Wenn wir das gute Sortiment in der Leonberger Bibliothek behalten wollen, dann m\u00fcssen wir akzeptieren, dass Ein-Euro-Jobber die B\u00fccher zum Hungerlohn einbinden. Ansonsten kostet ein Buch zwei Euro mehr, was bedeutet, dass das Sortiment eingeschr\u00e4nkt wird, weil die Leonberger Bibliothek nicht so viel Geld hat, um sich das leisten zu k\u00f6nnen. Wenn wir aber wollen, dass regul\u00e4r Besch\u00e4ftigte bei den Lieferanten einen sicheren Job haben, dann bedeutet das, dass wir daf\u00fcr sein m\u00fcssen, dass das Leonberger B\u00fcchersortiment der B\u00fccherei reduziert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\">Ja was jetzt?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\">Die L\u00f6sung ist: Das Hartz-IV-System mit den Ein-Euro-Jobbern und die Armut \u00f6ffentlicher Kassen sind herbeiregiert. Da besteht dringender Handlungsbedarf! Wer die neoliberale Logik dieser Tatbest\u00e4nde akzeptiert, der akzeptiert, dass arglose Menschen zu Kannibalen werden und andere arglose Menschen zu Sklaven. Uns wird unterstellt, wir wollten, um diese Tatbest\u00e4nde zu \u00e4ndern, den Kapitalismus \u00fcberwinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\">Wenn Christen und Sozialdemokraten nicht vom Kapitalismus ablassen wollen, dann w\u00e4re jetzt der Zeitpunkt, sich was einfallen zu lassen. Oder glaubt jemand ernsthaft an diesen Quatsch da: &#8222;F\u00fcr die vom Amt vermittelten Langzeitarbeitslosen ist das eine Chance, wieder ins Berufsleben zur\u00fcck zu finden.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\">hier der Artikel:<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\">LEONBERGER KREISZEITUNG vom 12. April 2013:<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\">Ein-Euro-Jobber d\u00fcrfen weiter in B\u00fccherei arbeiten<\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Leonberg Die Arbeitsagentur bietet daf\u00fcr Sonderkonditionen an. Sven Hahn<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Aufregung ist gro\u00df im M\u00e4rz 2012. Im Jahresbericht der Stadtb\u00fccherei deuten sich harte Zeiten f\u00fcr die Nutzer an. &#8218;Wir werden k\u00fcnftig deutlich weniger neue Titel anschaffen k\u00f6nnen als in der Vergangenheit&#8216;, sagt Ingrid Z\u00fcffle, die Leiterin der Bibliothek, damals. Die Leonberger Leser sind emp\u00f6rt. Da B\u00fccher in einer Bibliothek durch unz\u00e4hlige H\u00e4nde wandern, m\u00fcssen sie gut gesch\u00fctzt werden. Die B\u00e4nde werden in einen Schutzeinband eingeschlagen &#8211; folieren nennt sich das im Fachjargon. Die Arbeit wird in der Stadtb\u00fccherei seit vielen Jahren von Ein-Euro-Jobbern \u00fcbernommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">F\u00fcr die vom Amt vermittelten Langzeitarbeitslosen ist das eine Chance, wieder ins Berufsleben zur\u00fcck zu finden. Und f\u00fcr die Bibliothek die einzige M\u00f6glichkeit die aufwendige Arbeit kosteng\u00fcnstig verrichten zu lassen. &#8218;Wenn wir die B\u00fccher eingebunden kaufen m\u00fcssen, kostet das pro Titel zwei Euro mehr&#8216;, sagte Z\u00fcffle vor einem Jahr. Bei rund 4000 Neuanschaffungen j\u00e4hrlich kommt durch den Aufpreis eine betr\u00e4chtliche Summe zusammen. Eigentlich h\u00e4tte der letzte Ein-Euro-Jobber die B\u00fccherei Ende M\u00e4rz 2012 verlassen m\u00fcssen. Grund: die Sozialgesetze wurden ver\u00e4ndert. F\u00fcr den Einsatz der Langzeitarbeitslosen wurde von der Arbeitsagentur bis April des Vorjahres eine sogenannte Betreuungspauschale bezahlt. Mit Hilfe des Geldes sollten die Menschen sozialp\u00e4dagogisch betreut werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nach dem anschlie\u00dfenden Artikel zur drohenden Einschr\u00e4nkung des Angebots der B\u00fccherei in dieser Zeitung war die Aufregung gro\u00df. Leserbriefe, Anrufe und E-Mails erreichten die Redaktion. Der Tenor: die Stadt m\u00fcsse die Ein-Euro-Jobber weiter in der Bibliothek besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das hat sie wohl auch getan &#8211; aller \u00f6ffentlicher Aufregung zum Trotz jedoch, ohne gro\u00df davon zu berichten. Am Mittwochabend im H\u00f6finger Ortschaftsrat wurde der Jahresbericht der B\u00fccherei zum ersten Mal \u00f6ffentlich vorgestellt. Gabl-Rat Thomas Sch\u00fctz stellt die entscheidende Frage: &#8218;Frau Z\u00fcffle, wie haben Sie den Wegfall der Ein-Euro-Jobber kompensiert? Wie gro\u00df sind die Einbu\u00dfen bei den Neuanschaffungen ausgefallen?&#8216; Die Antwort \u00fcberrascht die R\u00e4te: &#8218;Die Leute arbeiten noch f\u00fcr uns und binden B\u00fccher ein&#8216;, sagt die Leiterin der B\u00fccherei, &#8218;wir haben das Problem gel\u00f6st. Die bef\u00fcrchtete Kostensteigerung ist ausgeblieben.&#8216; Offenbar hat die Bibliothek eine Abmachung mit der Arbeitsagentur in B\u00f6blingen getroffen. &#8218;Dort haben wir Sonderkonditionen bekommen&#8216;, berichtet Z\u00fcffle. Daf\u00fcr gab es nach der Neuordnung der Sozialgesetze Gespr\u00e4che zwischen Stadt und Arge. &#8218;Die B\u00fccherei war mit der Arbeit der Ein-Euro-Jobber sehr zufrieden&#8216;, erkl\u00e4rt Undine Binder-Farr, die Pressesprecherin der Stadt Leonberg, &#8218;und auch die Agentur wollte die Pl\u00e4tze erhalten.&#8216;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im September wurden sich beide Seiten einig: &#8218;Die Agentur \u00fcbernimmt seither die Betreuungspauschale. Die Arbeit in der Stadtbibliothek wird wieder wie gewohnt erledigt&#8216;, erkl\u00e4rt die Sprecherin der Stadt. Die Regelung zwischen B\u00fccherei und Arbeitsagentur ist eine Ausnahme und wird so sonst kaum praktiziert.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=wpv2posts926&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=wpv2posts926&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Glosse von Stefan Dreher Den Zugang zu \u00f6ffentlichen Bibliotheken verteidigen wir. Und wir verteidigen dort das bestm\u00f6gliche Sortiment. Und: Wir wollen nicht, dass sogenannte Ein-Euro-Jobber regul\u00e4r Besch\u00e4ftigten die Arbeit wegnehmen (m\u00fcssen). So. Nun scheinen wir die Wahl zu haben: Wenn wir das gute Sortiment in der Leonberger Bibliothek behalten wollen, dann m\u00fcssen wir akzeptieren, dass [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/926"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=926"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/926\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":928,"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/926\/revisions\/928"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=926"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=926"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=926"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}