{"id":772,"date":"2012-08-16T18:44:14","date_gmt":"2012-08-16T16:44:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/?p=772"},"modified":"2012-08-16T18:44:14","modified_gmt":"2012-08-16T16:44:14","slug":"die-taz-berichtet-von-einer-veranstaltung-der-landes-ag-betrieb-gewerkschaft-fur-die-schlecker-frauen-sie-machen-es-einfach-selbst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/?p=772","title":{"rendered":"Die &#8222;taz&#8220; berichtet von einer Veranstaltung der Landes-AG Betrieb &#038; Gewerkschaft f\u00fcr die Schlecker-Frauen: Sie machen es einfach selbst :"},"content":{"rendered":"<p>PL\u00c4NE DER SCHLECKER-FRAUEN<\/p>\n<h2><strong>Sie machen es einfach selbst<\/strong><\/h2>\n<p><em>Die Schlecker-Frauen wollen eine Genossenschaft gr\u00fcnden und geschlossene Filialen zu Mini-Superm\u00e4rkten machen. Mit f\u00fcnf Filialen soll es losgehen.<\/em><\/p>\n<p>MARKELFINGEN<\/p>\n<p>Das hatte Christina Frank einfach keine Ruhe gelassen. 900 Filialen der pleitegegangenen Drogeriemarktkette Schlecker, denen es auch zum Schluss wirtschaftlich noch gut ging. Die j\u00e4hrlich einen Umsatz von 500.000 Euro erzielt haben.<\/p>\n<p>\u201aWir haben die ganze Zeit versucht, dass wenigstens diese Filialen noch beliefert werden&#8220;, sagt die Stuttgarter Gewerkschaftssekret\u00e4rin. Vergebens. Deshalb hat die Ver.di-Frau die Sache selbst in die Hand genommen. Zusammen mit 35 ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen will Frank eine Genossenschaft gr\u00fcnden und damit schaffen, woran andere gescheitert sind: den Schlecker-Frauen eine berufliche Zukunft bieten und in d\u00f6rflichen Regionen eine Nahversorgung sicherstellen.<\/p>\n<p><!--more-->Frank sitzt auf einer Caf\u00e9terrasse mit Blick auf den Bodensee. Eigentlich will sie hier, im baden-w\u00fcrttembergischen Markelfingen, zwei Tage abschalten. Einfach mal die Seele baumeln lassen. Den Stress aus Stuttgart vergessen. Die 57-J\u00e4hrige tr\u00e4gt ein sommerlich mit lila Blumen dekoriertes T-Shirt. Seit Monaten ist Frank im Dauereinsatz. Sie k\u00fcmmert sich um die entlassenen Frauen, ber\u00e4t sie, tr\u00f6stet sie. Mit einigen von ihnen ist sie im Juni zur Gl\u00e4ubigerversammlung gefahren, auf der das endg\u00fcltige Aus besiegelt wurde. ,,Da sind wir auch beim Anton vorbeigefahren, weil wir mal sehen wollten, wie der so wohnt.&#8220; Anton Schlecker ist der Firmengr\u00fcnder. Gegen ihn ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft.<\/p>\n<p>Viele wollen einen Neuanfang W\u00e4hrend am Wochenende\u00a0 schwere Vorw\u00fcrfe gegen Anton Schlecker\u00a0 bekannt werden, versucht Frank den Frauen am Bodensee etwas Ablenkung zu bieten. Sie sind in Markelfingen im Jugendcamp des Deutschen Gewerkschaftsbundes zusammengekommen. Direkt am Ufer, mit komfortablen Zelten auf einer gro\u00dfen Gr\u00fcnanlage. Doch nat\u00fcrlich werden auch hier die Sorgen ausgetauscht, bittere Erfahrungen mit dem Arbeitsamt geschildert. Viele Frauen seien nach ihrem ersten Besuch bei der Arbeitsagentur zu Frank gekommen. ,,Die wollten einen Neuanfang, merkten aber, dass das da nichts wird.&#8220; Doch der engagierten Gewerkschafterin geht es nicht nur um die Jobperspektive. Dass die Nahversorgung in d\u00f6rflichen Regionen immer schlechter werde, sei bislang als Problem viel zu stark ignoriert worden. \u201eDa ist die Politik gefordert&#8220;, sagt Frank. Doch vom Wirtschaftsministerium habe sie nach einem Arbeitsgespr\u00e4ch nicht viel mehr erhalten als einen Leitfaden. ,,Was darin steht, wussten wir zu dem Zeitpunkt alles schon selbst.&#8220;<\/p>\n<p>Frank schwebt die Idee vor, aus den ehemaligen Schlecker-L\u00e4den Mini-Superm\u00e4rkte zu machen, in denen neben Drogerieartikeln auch Milchprodukte angeboten werden sowie Obst, Gem\u00fcse, Fleisch und Brot. \u201eUnd daf\u00fcr bekommen wir Unterst\u00fctzung von Seiten, von denen wir es gar nicht gedacht h\u00e4tten.&#8220; T\u00e4glich telefoniert Frank mit B\u00fcrgermeistern, die die Genossenschaft finanziell oder zumindest ideell unterst\u00fctzen wollen, um den einzigen Laden vor Ort zu retten. Vermieter w\u00fcrden ihr anbieten, die Miete zu senken, wenn der Laden zeitnah wieder betrieben w\u00fcrde. Viel Zeit wollen sich Frank und ihre Mitstreiterinnen ohnehin nicht lassen. ,,In vier Wochen soll es die erste Versammlung geben&#8220;, sagt Frank. Wenn, dann m\u00fcssten die Filialen bald wieder \u00f6ffnen. ,,Sonst ist es zu schwer, die Kunden wiederzugewinnen.&#8220; Kosten werden geteilt<\/p>\n<p>Doch allein die jeweilige Markt- und Standortanalyse kostet pro Filiale 3.000 Euro. F\u00fcr f\u00fcnf Filialen, die der Anfang sein sollen, teilen sich die Kosten zu unterschiedlichen Teilen Ver.di in Baden-W\u00fcrttemberg, die Evangelische Betriebsseelsorge und die Partei Die Linke. Auch auf eine Ausstattung k\u00f6nnte die Genossenschaft zur\u00fcckgreifen. Der Insolvenzverwalter habe den Frauen zugesagt, dass sie die zur\u00fcckgebliebenen Regale, Kassenb\u00e4nder oder Faxger\u00e4te \u00fcbernehmen k\u00f6nnten. W\u00fcrde also noch die Ware fehlen. Doch auch um die macht sich Frank keine Sorgen. \u201aNenn unser Businessplan gut ist, bekommen wir die Waren.&#8220;<\/p>\n<p>Frank, kurze, blondierte Haare, gibt den Takt vor. Wenn andere um ihre Zukunft bangen, strahlt sie Energie und Zuversicht aus. Zwei, die sich von Anfang an mitrei\u00dfen lie\u00dfen, genie\u00dfen an diesem Wochenende auch die Ruhe am Bodensee. Karin Meinerz und Bettina Meeh stehen unter einer Birke nahe dem Ufer. Wenn sie an die Tage zur\u00fcckdenken, in denen das Aus der Firma besiegelt wurde, f\u00fcr die Meinerz 11 und Meeh 19 Jahre gearbeitet haben, werden ihre Augen f\u00fcr einen kurzen Moment feucht. ,,Wir haben wirklich gehofft, dass es nach der ersten K\u00fcndigungswelle im M\u00e4rz noch weitergeht. Wir wurden aber entt\u00e4uscht&#8220;, sagt Meinerz. Doch eigentlich blicken sie gerade lieber nach vorn. ,,Wir sind K\u00e4mpfer, sagt Meeh. Und so wollen sie motiviert an die Gr\u00fcndung der Genossenschaft gehen. ,,Nat\u00fcrlich haben wir auch Gedanken im Hinterkopf, ob das alles klappt, ob die Kunden wiederkommen, wie der Umsatz sein wird. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen und werden das versuchen.&#8220;<\/p>\n<p>Als wirklichen \u201eNeustart&#8220; wollen sie die Genossenschaft aber nicht ansehen. ,,Wir sind es ja gewohnt, im Laden zu stehen. Wir sind ja schon viele Jahre dabei&#8220;, sagt Meeh. Und auch das pers\u00f6nliche Risiko sei gering, da sie nicht mit ihrem Privatverm\u00f6gen haften werden. Sie kennen ihre Kunden Die L\u00e4den sollen jeweils als Mini-GmbH an die Genossenschaft angeschlossen werden. So k\u00f6nnten unrentable Filialen saniert werden, ohne die Existenz der gesamten Genossenschaft zu gef\u00e4hrden. F\u00fcr jede Filiale haben die Frauen versucht, so viele Daten wie m\u00f6glich zu sammeln. Inzwischen wissen sie, wie gut oder schlecht es um welchen Laden stand. Und sie glauben zu wissen, was insgesamt schiefgelaufen ist. Ihr Vorteil: Sie kennen ihre Kunden und deren Bed\u00fcrfnisse. ,,Wir w\u00fcrden mit dem Sortiment auf die Leute zugehen, beispielsweise wenn wir wissen, dass nebenan eine Schule ist oder ein Altenheim&#8220;, sagt Meinerz. \u201aWir wollen einfach mehr auf die Kundenw\u00fcnsche eingehen.&#8220; Meeh erg\u00e4nzt \u201aWir wollten ja fr\u00fcher schon viel \u00e4ndern und haben nach einem anderen Sortiment gefragt, aber leider ist das nie umgesetzt worden.&#8220;<\/p>\n<p>Eins wird auf jeden Fall ge\u00e4ndert: der Name. Bisher gibt es nur einen Arbeitstitel: \u201eGeno SF&#8220; \u2014 Genossenschaft der Schlecker-Frauen. Aber Schlecker soll das Ganze nicht mehr hei\u00dfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=wpv2posts772&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=wpv2posts772&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PL\u00c4NE DER SCHLECKER-FRAUEN Sie machen es einfach selbst Die Schlecker-Frauen wollen eine Genossenschaft gr\u00fcnden und geschlossene Filialen zu Mini-Superm\u00e4rkten machen. 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