{"id":2047,"date":"2019-10-17T16:27:34","date_gmt":"2019-10-17T14:27:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/?p=2047"},"modified":"2019-10-17T16:27:34","modified_gmt":"2019-10-17T14:27:34","slug":"hans-juergen-urban-in-der-frankfurter-rundschau-weniger-kapitalismus-mehr-demokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/?p=2047","title":{"rendered":"Hans-J\u00fcrgen Urban in der Frankfurter Rundschau: Weniger Kapitalismus, mehr Demokratie"},"content":{"rendered":"<div class=\"id-Article-body lp_article_content\">\n<div class=\"id-AuthorList  id-Article-content-item\" data-id-module=\"simpletab\">\n<blockquote>\n<div id=\"id-js-author-63976880--top-0\" class=\"id-AuthorList-contentWrapper id-SimpleTab-content2 id-Popover\"><strong>Der Kapitalismus kann ohne Wachstum nicht sein. So einfach ist das. Weil das aber so einfach ist, ist alles Weitere ziemlich schwierig. Der Beitrag von Hansi ist deshalb der richtige zur richtigen Zeit, weil es grade sehr viele kleinbourgeoise Phantastereien einer Postwachstumsgesellschaft gibt, die hochwissenschaftlich daherkommen, aber bei Licht betrachtet einfach nur naiv sind.<\/strong><\/div>\n<div>Stefan Dreher<\/div>\n<\/blockquote>\n<\/div>\n<div class=\"id-Article-content-item id-Article-content-item--boxLeft\">\n<div class=\"id-Article-content-item-box id-Article-content-item-box--mediabox\">\n<figure class=\"id-Mediabox\">\n<div class=\"id-Mediabox-media\">\n<div class=\"id-RatioWrap id-RatioWrap--fourByThree \">\n<div class=\"id-RatioWrap-content\"><img class=\"alignright\" title=\"Hans-J&amp;#252;rgen Urban.\" src=\"https:\/\/www.fr.de\/bilder\/2019\/10\/16\/13121900\/1686052815-hans-juergen-urban-tUI.jpg\" sizes=\"(min-width:900px) 321px, (min-width:640px) 31vw, (min-width:480px) 96vw, 94vw \" srcset=\"\/\/www.fr.de\/bilder\/2019\/10\/16\/13121900\/1686052815-hans-juergen-urban-tRG.jpg 667w, \/\/www.fr.de\/bilder\/2019\/10\/16\/13121900\/1686052815-hans-juergen-urban-tJJ.jpg 200w, \/\/www.fr.de\/bilder\/2019\/10\/16\/13121900\/1686052815-hans-juergen-urban-tba.jpg 299w, \/\/www.fr.de\/bilder\/2019\/10\/16\/13121900\/1686052815-hans-juergen-urban-tUI.jpg 334w, \/\/www.fr.de\/bilder\/2019\/10\/16\/13121900\/1686052815-hans-juergen-urban-tKI.jpg 400w, \/\/www.fr.de\/bilder\/2019\/10\/16\/13121900\/1686052815-hans-juergen-urban-tFI.jpg 467w, \/\/www.fr.de\/bilder\/2019\/10\/16\/13121900\/1686052815-hans-juergen-urban-t74.jpg 512w, \/\/www.fr.de\/bilder\/2019\/10\/16\/13121900\/1686052815-hans-juergen-urban-tAI.jpg 700w, \/\/www.fr.de\/bilder\/2019\/10\/16\/13121900\/1686052815-hans-juergen-urban-tMG.jpg 1000w\" alt=\"Hans-J&amp;#252;rgen Urban.\" \/><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"id-Article-content-item id-Article-content-item-summary\"><em><strong>Weder Sehnsucht nach Wachstum, noch Wachstumsverzicht f\u00fchren aus der Krise. Es geht um ein angemessenes Wachstum. <\/strong><\/em><\/p>\n<p class=\"id-Article-content-item id-Article-content-item-summary\"><em><strong>Der Gastbeitrag.<\/strong><\/em><\/p>\n<p class=\"id-Article-content-item id-Article-content-item--first\">Eine der l\u00e4ngsten Wachstumsphasen der Nachkriegszeit l\u00e4uft aus. Angst vor der Krise geht um. Daf\u00fcr gibt es Gr\u00fcnde. Wachstum ist die vielleicht wichtigste Dynamik unseres Wirtschaftsmodells. Staatseinnahmen, Arbeitsm\u00e4rkte und Masseneinkommen h\u00e4ngen am Wachstum. Bleibt es aus, ist der Katzenjammer gro\u00df.<\/p>\n<p class=\"id-Article-content-item\">Das hat systemische Ursachen. Die Jagd nach Mehrwert ist der zentrale Antrieb einer privatkapitalistischen Wirtschaft. Erlahmt sie, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, verliert das System an Stabilit\u00e4t. Der Kapitalismus w\u00e4chst oder er ist in der Krise. Dazwischen gibt es nichts.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"id-Article-content-item\">Auch die Gewerkschaften sind traditionell Wachstumsfans. Es geh\u00f6rt zu ihrem Kerngesch\u00e4ft, wirtschaftliche Zuw\u00e4chse in h\u00f6here Einkommen, k\u00fcrzere Arbeitszeiten und bessere Arbe<\/p>\n<p class=\"id-Article-content-item\">itsbedingungen umzuwandeln. Die Erfolge dieser Politik sind bis heute nach Geschlecht, ethnischer Herkunft und Weltregionen ungleich verteilt.<\/p>\n<p class=\"id-Article-content-item\">F\u00fcr die Bev\u00f6lkerungsmehrheit in den kapitalistischen Metropolen bedeuten sie gleichwohl einen historisch einmaligen Lebensstandard. Die Angst und Sorge, diesen zu verlieren, l\u00e4sst viele f\u00fcr rassistische und chauvinistische Erz\u00e4hlungen empf\u00e4nglich werden.<\/p>\n<p class=\"id-Article-content-item\">Doch dieses Modell st\u00f6\u00dft an Grenzen. Wachstum im neoliberalen Kapitalismus wird repulsiv und bedeutet keineswegs mehr Wohlstand f\u00fcr alle. Es bef\u00f6rdert gesellschaftliche Spaltung, indem es die Verm\u00f6gen der Reichen mehrt und zugleich immer mehr Menschen in prek\u00e4re Lebenslagen abdr\u00e4ngt. Und es nimmt die Natur in einem Ma\u00dfe in Anspruch, das ihre Regenerationsf\u00e4higkeit \u00fcberfordert. Die Klimakrise l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p class=\"id-Article-content-item\">Stimmt diese Diagnose, f\u00fchren die traditionellen Strategien zur Ankurbelung des Wachstu<\/p>\n<p class=\"id-Article-content-item\">ms nicht aus der Krise, sondern weiter hinein. Diese Erkenntnis stellt den rationalen Kern diverser Postwachstums-Strategien dar, die in linken politischen und akademischen Milieus an Zuspruch gewinnen.<\/p>\n<p class=\"id-Article-content-item\">Auf der Basis einer prinzipiellen Wachstumskritik werden etwa der radikale R\u00fcckbau tragender Wirtschaftssektoren (wie der Stahl- und Automobilindustrie), ein genereller Konsumverzicht und eine Kultur der Bescheidenheit gefordert. Fragen von Erwerbsarbeit, Produktion und Verteilung fristen hingegen ein Schattendasein.<\/p>\n<p class=\"id-Article-content-item\">Doch so sympathisch diese Wachstumsablehnung auf den ersten Blick sein mag, sie \u00fcbersieht, dass die Gegenwartsgesellschaften nicht nur \u00dcberfluss-, sondern auch Defizitgesellschaften sind. Und diese Defizite liegen etwa in der sozialen Sicherheit, im Gesundheits- und Sorgebereich, im Bildungs- und Kultursektor und bei der Mobilit\u00e4t von Menschen und G\u00fctern.<\/p>\n<p class=\"id-Article-content-item\">Sie zu beheben erfordert weiterhin die Produktion von G\u00fctern wie Z\u00fcgen, Bussen und Autos; und von sozialen Diensten wie Pflege. Und es erfordert wirtschaftliche Wertsch\u00f6pfung, die in \u00f6ffentliche Investitionen in \u00f6ffentliche G\u00fcter umverteilt werden muss.<\/p>\n<p class=\"id-Article-content-item\">Weder traditionelle Wachstumssehnsucht, noch pauschaler Wachstumsverzicht f\u00fchren weiter. Zielf\u00fchrend w\u00e4re eine Wirtschaft, die nicht unter einem profitgetriebenen Wachstumszwang \u00e4chzt, sondern die w\u00e4chst, wo sie wachsen soll und auf Wachstum verzichtet, wo es die Gesellschaft spaltet oder die Natur \u00fcberfordert.<\/p>\n<p class=\"id-Article-content-item\">Ein solches, gesellschafts- und naturvertr\u00e4gliches Wachstum unterschiede sich grundlegend vom bisherigen. Es fiele wohl flacher aus, da es nicht Wachstum auf Teufel komm raus f\u00f6rderte, sondern nur dort, wo gesellschaftlicher Nutzen zu erwarten ist; es w\u00e4re nachhaltiger, da es die Grenzen der Natur als Grenzen des Wachstums akzeptierte; und es m\u00fcsste sich gerechter vollziehen, indem es die Verliererinnen und Verlierer des Strukturwandels nicht in Arbeitslosigkeit oder Armut abdr\u00e4ngt, sondern ihnen mit gesellschaftlichen Ressourcen neue Perspektiven er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p class=\"id-Article-content-item\">Doch solche Anspr\u00fcche \u00fcberfordern den Markt. Er stellt eine Spielanordnung dar, in der private Akteure nach maximalem Profit oder Nutzen jagen und anfallende Kosten auf die Gesellschaft oder die Natur abgew\u00e4lzt werden k\u00f6nnen. Und in der wirtschaftliche Macht in politische Vetomacht umschl\u00e4gt.<\/p>\n<p class=\"id-Article-content-item\">Sollen gesellschaftliche Gebrauchswerte, \u00f6kologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit zu Zielmarken werden, sind andere Spielregeln unverzichtbar. Das erfordert politische Eingriffe in die M\u00e4rkte, bis in die Unternehmensentscheidungen hinein. Und es erfordert den Ausbau \u00f6ffentlicher G\u00fcter und Infrastruktur.<\/p>\n<p class=\"id-Article-content-item\">Ein zukunftstaugliches Wirtschaftsmodell muss nicht nur langsamer, nachhaltiger und gerechter, es muss vor allem demokratischer wachsen. Weniger Kapitalismus und mehr Demokratie sind angesagt.<\/p>\n<p class=\"id-Article-content-item\"><em>Hans-J\u00fcrgen Urban ist Mitglied des gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Vorstands der IG Metall.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=wpv2posts2047&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=wpv2posts2047&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kapitalismus kann ohne Wachstum nicht sein. 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