{"id":2012,"date":"2019-10-13T08:39:05","date_gmt":"2019-10-13T06:39:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/?p=2012"},"modified":"2019-10-13T08:39:05","modified_gmt":"2019-10-13T06:39:05","slug":"verteilungswirkung-des-klimaschutzprogramms-der-bundesregierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/?p=2012","title":{"rendered":"Verteilungswirkung des Klimaschutzprogramms der Bundesregierung"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_1959\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1959\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1959\" src=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/guenter-busch-sw-250x246.png\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"246\" srcset=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/guenter-busch-sw-250x246.png 250w, https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/guenter-busch-sw-768x755.png 768w, https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/guenter-busch-sw-407x400.png 407w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><p id=\"caption-attachment-1959\" class=\"wp-caption-text\">G\u00fcnter Busch, ver.di-Landesbereichsleiter Gesundheit und Kirchen i.R.<\/p><\/div>\n<h3>G\u00fcnter Busch hat die Beschl\u00fcsse der Bundesregierung bzgl. Klima analysiert: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass mal wieder &#8222;die Kleinen&#8220; zahlen (qualitative Darstellung, f\u00fcr Quantifizierungen fehlen Daten).<\/h3>\n<p>Das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung ist verteilungspolitisch ein System von Steuererh\u00f6hungen durch Erh\u00f6hung von spezifischen Verbrauchssteuern, die nicht im allgemeinen Steuerhaushalt des Bundes landen, sondern die in einem separaten Steuerkonto gef\u00fchrt und zu einem geringen Teil an die Verbraucher zur\u00fcckgegeben, zum gr\u00f6\u00dferen Teil in Anreizsysteme zur CO2 Reduzierung gesteckt und mit denen CO2 mindernde Infrastrukturinvestitionen get\u00e4tigt werden.<\/p>\n<p>Die CO2 Zertifikate auf Benzin, Diesel, \u00d6l, Heiz\u00f6l, Gas, Kohle und Braunkohle schlagen zun\u00e4chst und direkt auf die Preise dieser Produkte durch und verteuern sie um einen bestimmten Prozentsatz. Die Steuerungswirkung soll dadurch erreicht werden, dass preiswertere Alternativen zu diesen verteuerten Produkten nachgefragt werden, die, weil ohne CO2 Bepreisung, weniger klimasch\u00e4dliches CO2 aussto\u00dfen. Wie hoch die Bepreisung ausfallen muss, um Steuerungswirkung zu erzielen, soll hier nicht weiter diskutiert werden.<!--more--><\/p>\n<p>In einem zweiten Schritt flie\u00dfen die teureren Produkte als Vorprodukte in die Produktion von G\u00fctern und Dienstleistungen ein. Je nachdem, wie hoch der fossile Energieanteil an den Produktkosten ist und inwieweit die erh\u00f6hten Produktionskosten am markt weitergegeben werden k\u00f6nnen, steigen die Preise. Es ist also in einem Zweitrundeneffekt mit einer allgemeinen Erh\u00f6hung des Preisniveaus zu rechnen.<\/p>\n<p>Auf den Konsum schlagen auch die Erh\u00f6hung der Flugpreise und die zu erwartenden Mietpreissteigerungen durch Weitergabe von Kosten durch Geb\u00e4uded\u00e4mmung und neue Heizsysteme durch.<\/p>\n<p>Die direkten und indirekten Verbrauchssteuererh\u00f6hungen wirken sich je nach sozialer Lage unterschiedlich auf Konsumausgaben und Konsum aus: Bei den Niedrigverdienern, Armen, Hartz IV-Empf\u00e4ngern und Rentner mit niedrigen Renten betragen die die Konsumausgaben praktische 100% der jeweiligen Einkommen. Es wird nichts gespart. Dies betrifft etwa ein Drittel der Wohnbev\u00f6lkerung in Deutschland. Steigen hier ohne Kompensation die Konsumausgaben insgesamt, z.B. durch Preissteigerungen oder sektorspezifisch z.B. durch h\u00f6here Energiekosten, muss an anderer Stelle gespart werden. Wegfall bestimmter Konsumausgaben bzw. Ausweichen auf preiswertere und ggf. qualitativ schlechtere Produkte w\u00e4ren die Folge.<\/p>\n<p>Bei einem Einkommensniveau, dass eine Sparquote zul\u00e4sst, kann entsprechend entspart werden, um den Verbrauchsstandart zu erhalten. Bei den Reicheren braucht sich gar nichts an den Konsumgewohnheiten zu \u00e4ndern. Die Energiekostensteigerungen k\u00f6nnen locker weggesteckt werden.<\/p>\n<p>Insgesamt ist mit einer Ver\u00e4nderung von Nachfragestr\u00f6men zu rechnen: In der Tendenz weniger Konsumausgaben und mehr Ausgaben in e-Mobilit\u00e4t und in Investitionen in Geb\u00e4uded\u00e4mmung und andere Heizsysteme sowie in CO2 einsparende Infrastrukturma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Die zus\u00e4tzlichen Steuereinnahmen werden in geringem Umfang an die Verbraucher zur\u00fcckgegeben durch sinkende Strompreise, sinkende Bahnpreise und h\u00f6here Pendlerpauschale f\u00fcr Weitpendler.<\/p>\n<p>Aus dem neuen Steuertopf werden vor allem die zus\u00e4tzlichen Anreizsysteme finanziert:<\/p>\n<ul>\n<li>Mehr e-Mobilit\u00e4t (Anschaffungspr\u00e4mie, Ladeinfrastruktur)<\/li>\n<li>Zusch\u00fcsse f\u00fcr W\u00e4rmeisolierung Geb\u00e4ude<\/li>\n<li>Zusch\u00fcsse f\u00fcr modernen Heizungsanlagen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gebote sind im Klimapaket nur beim Verbot neuer \u00d6lheizungen ab 2026 vorgesehen.<\/p>\n<p>Faktisch findet eine Steuererh\u00f6hung statt, die in unterschiedlichem Ausma\u00df alle trifft, insbesondere aber:<\/p>\n<ul>\n<li>Autofahrer \u2013 abh\u00e4ngig vom Spritverbrauch des KfZ und der gefahrenen Strecke<\/li>\n<li>Bauern (Trecker, Landmaschinen)<\/li>\n<li>Bewohner von Altbauwohnungen mit alten Heizungen und schlechter W\u00e4rmed\u00e4mmung<\/li>\n<li>Flugreisende, besonders bei Urlaubsfl\u00fcgen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der R\u00fcckfluss dieser Steuern ist selektiv ausgestaltet. Es profitieren vor allem:<\/p>\n<ul>\n<li>B\u00fcrger, die sich ein e-Auto leisten k\u00f6nnen und die nicht nur einen Gebrauchtwagen kaufen k\u00f6nnen<\/li>\n<li>Besitzer von Eigenheimen und Eigentumswohnungen, die eine neue Heizung und eine bessere W\u00e4rmed\u00e4mmung finanzieren k\u00f6nnen<\/li>\n<li>Eigent\u00fcmer von Mietwohnungen, die mit hohen Zusch\u00fcssen bessere Heizungen und mehr W\u00e4rmed\u00e4mmung einbauen lassen und die Kosten auf die Mieten umlegen k\u00f6nnen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Niedrigverdiener zahlen zwar die h\u00f6heren Verbrauchssteuern, profitieren aber wenig von den R\u00fcckfl\u00fcssen. Sie bezahlen f\u00fcr die Vorteile f\u00fcr die Besserverdienenden mit. Der Arbeitslose zahlt f\u00fcr das neue e-Auto des Besserverdienenden mit.<\/p>\n<p>Um die sozial ungleiche Verteilungswirkung des Klimapakets zu ver\u00e4ndern, w\u00e4ren zwei Wege denkbar:<\/p>\n<ul>\n<li>R\u00fcckgabe der Zusatzsteuern durch eine Klimapr\u00e4mie in Form einer f\u00fcr jeden einheitlichen Kopfpauschale. Dann m\u00fcssten aber die zus\u00e4tzlichen Ausgaben aus dem allgemeinen Staatshaushalt finanziert werden, entweder durch Kreditaufnahme oder durch h\u00f6here Steuern der Reichen<\/li>\n<li>Erh\u00f6hung der Einkommen der Niedrigl\u00f6hner und Niedrigrentner durch Erh\u00f6hung der Mindestl\u00f6hne, Hartz IV-S\u00e4tze und Mindestrenten. Mindestl\u00f6hne betr\u00e4fen die Prim\u00e4rverteilung, die anderen Erh\u00f6hungen betr\u00e4fen wiederum Steuersystem und staatliche Kreditaufnahme.<\/li>\n<\/ul>\n<p>G\u00fcnter Busch,<\/p>\n<p>Reutlingen 9.10.2019<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=wpv2posts2012&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=wpv2posts2012&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00fcnter Busch hat die Beschl\u00fcsse der Bundesregierung bzgl. Klima analysiert: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass mal wieder &#8222;die Kleinen&#8220; zahlen (qualitative Darstellung, f\u00fcr Quantifizierungen fehlen Daten). Das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung ist verteilungspolitisch ein System von Steuererh\u00f6hungen durch Erh\u00f6hung von spezifischen Verbrauchssteuern, die nicht im allgemeinen Steuerhaushalt des Bundes landen, sondern die in einem separaten Steuerkonto [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2012"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2012"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2012\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2013,"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2012\/revisions\/2013"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2012"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2012"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2012"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}