{"id":1942,"date":"2019-09-03T14:27:00","date_gmt":"2019-09-03T12:27:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/?p=1942"},"modified":"2019-09-11T18:17:17","modified_gmt":"2019-09-11T16:17:17","slug":"niedriglohn-im-osten-fast-jede-dritte-vollzeit-betroffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/?p=1942","title":{"rendered":"Niedriglohn: Im Osten fast jede dritte Vollzeit betroffen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1944 size-full aligncenter\" src=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Niedrigl\u00f6hne.png\" alt=\"\" width=\"475\" height=\"226\" srcset=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Niedrigl\u00f6hne.png 475w, https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Niedrigl\u00f6hne-250x119.png 250w\" sizes=\"(max-width: 475px) 100vw, 475px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf die Kleine Anfrage <strong>\u00bbNiedrigl\u00f6hne in Deutschland\u00ab<\/strong> (BT-Drs. 19\/12290) von Susanne Ferschl u.a. und der Fraktion DIE LINKE im Bundestagkam diese Antwort der Bundesregierung. Hier lesen: <a href=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/KA_Niedrigl\u00f6hne_Deutschland-August-2019.pdf\">KLICK<\/a><\/p>\n<p><strong>Dazu gibt es diese Zusammenfassung<br \/>\n<em>(<\/em><\/strong><em>MdB-B\u00fcro Susanne Ferschl (Thorsten Hild), 28.08.2019<strong>)<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Bundesweit liegt bei fast jedem f\u00fcnften Vollzeitbesch\u00e4ftigten (19,3 Prozent) der Lohn unter der Niedriglohnschwelle. 2018 verdienten 4,14 Millionen Besch\u00e4ftigte weniger als zwei Drittel des mittleren monatlichen Bruttoarbeitsentgelts von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbesch\u00e4ftigten<br \/>\n(ohne Auszubildende). In Ostdeutschland lag der Anteil der zum Niedriglohn Arbeitenden mit 32,1 Prozent im Jahr 2018 fast doppelt so hoch wie in Westdeutschland (16,5 Prozent). Hauptbetroffene sind Frauen, von denen 26,5 Prozent nur einen Niedriglohn bekommen, w\u00e4hrend es bei den M\u00e4nnern 15,8 Prozent sind.<\/p>\n<p>Die Angaben der Bundesregierung zur Preisentwicklung zeigen dar\u00fcber hinaus, dass die Preise f\u00fcr Nahrungsmittel, f\u00fcr die Menschen mit Niedrigl\u00f6hnen in der Regel einen h\u00f6heren Anteil ihres Einkommens aufwenden m\u00fcssen, wesentlich st\u00e4rker gestiegen sind, als die Preise insgesamt. So ist der Verbraucherpreisindex zwischen 2015 und 2018 insgesamt um 3,8 Prozent gestiegen, der Verbraucherpreisindex \u201eNahrungsmittel\u201c aber um 6,3 Prozent.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n<strong>O-Ton Susanne Ferschl, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Bundestag:<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWer Vollzeit arbeitet und trotzdem nicht \u00fcber die Runden kommt, den packt die blanke Angst. Niedrigl\u00f6hne treiben Menschen zur Verzweiflung und in die H\u00e4nde rechter Demagogen. Die Bundesregierung l\u00e4sst die Menschen in ihrer Not allein und h\u00e4lt an ihrer verfehlten Arbeitsmarktpolitik fest. Hartz IV hat unzumutbare Arbeit zumutbar gemacht. So wurden Besch\u00e4ftigte diszipliniert und die Organisationsmacht der Gewerkschaften ersch\u00fcttert. Die Folge sind Dumpingl\u00f6hne und Millionen Menschen, die von ihrer Arbeit nicht leben k\u00f6nnen. Das kann sich eine Demokratie auf Dauer nicht leisten.\u201c<\/p>\n<p><strong>Ergebnisse im Einzelnen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Fast jeder F\u00fcnfte sozialversicherungspflichtige Vollzeitbesch\u00e4ftigte (ohne Auszubildende) arbeitete bundesweit f\u00fcr einen Lohn unter der so genannten Niedriglohnschwelle, verdiente also weniger als zwei Drittel des mittleren Bruttoentgelts. \u00dcber vier Millionen Menschen sind betroffen (s. Antwort der Bundesregierung zur Frage 11.).<\/li>\n<li>Ostdeutschland ist besonders betroffen: In Ostdeutschland lag der Anteil der zum Niedriglohn arbeitenden mit 32,1 Prozent im Jahr 2018 nahezu doppelt so hoch wie in Westdeutschland, wo 16,5 Prozent der Vollzeitbesch\u00e4ftigten zum Niedriglohn arbeiten mussten (s. Antwort der Bundesregierung, Tabellen 13-15 und Tabellenblatt \u201eOstdeutschland Westdeutschland\u201c der beigef\u00fcgten Excel-Tabelle).<\/li>\n<li>Unter allen Bundesl\u00e4ndern hat Mecklenburg-Vorpommern den h\u00f6chsten Anteil an Besch\u00e4ftigten, die zum Niedriglohn arbeiten (37,9 Prozent), gefolgt von Th\u00fcringen (35,3 Prozent) und Sachsen und Brandenburg (beide 35,1 Prozent). Unter den westdeutschen Bundesl\u00e4ndern schneiden<br \/>\nSchleswig-Holstein (21,3 Prozent) und Niedersachsen (20,4 Prozent) am schlechtesten ab. Berlin hat unter den Stadtstaaten den h\u00f6chsten Anteil (21,5 Prozent) (Bremen: 17,4 Prozent; Hamburg: 13,9 Prozent) (s. Antwort der Bundesregierung, Tabelle 16).<\/li>\n<li>Die Unterscheidung zwischen M\u00e4nnern und Frauen zeigt, dass Frauen noch wesentlich st\u00e4rker von Niedrigl\u00f6hnen betroffen sind als M\u00e4nner (Insgesamt: 19,3 Prozent; Frauen: 26,5 Prozent; M\u00e4nner: 15,8 Prozent) (s. Antwort der Bundesregierung, Tabelle 17).<\/li>\n<li>Die Unterscheidung zwischen Deutschen und Ausl\u00e4ndern zeigt, dass Ausl\u00e4nder noch wesentlich st\u00e4rker von Niedrigl\u00f6hnen betroffen sind, als Deutsche. 38 Prozent aller vollzeitbesch\u00e4ftigten Ausl\u00e4nder arbeiteten 2018 zum Niedriglohn gegen\u00fcber 16,7 Prozent aller Deutschen (s. Antwort der Bundesregierung, Tabelle 17)<\/li>\n<li>Die Unterscheidung zwischen j\u00fcngeren und \u00e4lteren Besch\u00e4ftigten zeigt: J\u00fcngere (unter 25 Jahre) sind am st\u00e4rksten betroffen (Insgesamt: 19,3 Prozent; unter 25 Jahren: 40,6 Prozent; 25 bis 50 Jahre: 18,8 Prozent; 50 Jahre und \u00e4lter: 16,3 Prozent) (s. Antwort der Bundesregierung, Tabelle<br \/>\n17).<\/li>\n<li>Die Unterscheidung nach Berufsabschl\u00fcssen zeigt: Menschen ohne Berufsabschluss sind am st\u00e4rksten betroffen (Insgesamt: 19,3 Prozent; ohne Berufsabschluss: 40,4 Prozent; Anerkannter Berufsabschluss: 18,4 Prozent; Akademischer Berufsabschluss: 5 Prozent) (s. Antwort der<br \/>\nBundesregierung, Tabelle 18).<\/li>\n<li>Die Unterscheidung nach Berufssegmenten zeigt: Besonders schlecht stehen Reinigungsberufe dar (65,9 Prozent), gefolgt von Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen (53,2 Prozent) und Land, Forst- und Gartenbauberufe (42,8 Prozent). Verkehrs- und Logistikberufe (33 Prozent), Sicherheitsberufe (31,3 Prozent) und Medizinische und nicht-medizinische Gesundheitsberufe (25%) schneiden ebenfalls sehr schlecht ab (s. Antwort der Bundesregierung, Tabelle 19)<br \/>\nDie Unterscheidung nach Wirtschaftsabteilungen zeigt: Hier schneidet trotz des Mindestlohns das Gastgewerbe auch weiterhin am schlechtesten ab (64 Prozent), gefolgt von Private Haushalte (58,5 Prozent), Bergbau und Gewinnung von Stein und Eisen (55,8 Prozent), Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (51,3 Prozent) (s. Antwort der Bundesregierung, Tabelle 20)<\/li>\n<li>Die zum Niedriglohn Besch\u00e4ftigten sind dar\u00fcber hinaus besonders betroffen davon, dass die Preise f\u00fcr Nahrungsmittel wesentlich st\u00e4rker gestiegen sind, als die Verbraucherpreise insgesamt, da sie in der Regel einen gr\u00f6\u00dferen Teil ihres Einkommens f\u00fcr diese Ausgaben aufwenden m\u00fcssen. So ist der Verbraucherpreisindex insgesamt zwischen 2015 und 2018 um 3,8 Prozent gestiegen, der Verbraucherpreisindex \u201eNahrungsmittel\u201c aber um 6,3 Prozent. Hiervon waren Ost- und Westdeutschland gleicherma\u00dfen betroffen (s. Antwort der Bundesregierung, Antwort zur Frage nur 12. und Tabellen 23 und 25).<\/li>\n<li>Der gro\u00dfe Niedriglohnsektors ist m\u00f6glicherweise auch mit Ursache f\u00fcr die hohe Zahl der im Nebenjob geringf\u00fcgig Besch\u00e4ftigten. 2018 waren dies 2,93 Millionen Menschen, deren Anzahl weiter gestiegen ist (+4,5 Prozent) (s. Antwort der Bundesregierung zur Frage Nr. 14).<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Medianentgelt und Niedriglohnschwellen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Die Niedriglohnschwelle f\u00fcr sozialversicherungspflichtige Vollzeitbesch\u00e4ftigte liegt bei zwei Drittel des Medianentgelts aller sozialversicherungspflichtig Vollzeitbesch\u00e4ftigten.<\/li>\n<li>In Deutschland lag das Medianentgelt der Vollzeitbesch\u00e4ftigten der Kerngruppe mit Angaben zum Entgelt zum Stichtag 31. Dezember 2018 bei 3.304 Euro (Antwort Frage 7)<\/li>\n<li>In Deutschland lag die Niedriglohnschwelle 2018 bei 2.203 Euro (Antwort Frage 10)<\/li>\n<li>In Westdeutschland lag das Medianentgelt der Vollzeitbesch\u00e4ftigten der Kerngruppe mit Angaben zum Entgelt zum 31. Dezember 2018 in Westdeutschland bei 3.434 Euro (Antwort Frage 3)<\/li>\n<li>In Westdeutschland lag die Niedriglohnschwelle bei 2018 bei 2.289 Euro (Antwort Frage 10)<\/li>\n<li>In Ostdeutschland lag das Medianentgelt der Vollzeitbesch\u00e4ftigten der Kerngruppe mit Angaben zum Entgelt zum Stichtag 31. Dezember 2018 bei 2.707 Euro. (Antwort Frage 4)<\/li>\n<li>F\u00fcr Ostdeutschland lag die Niedriglohnschwelle 2018 bei 1.805 Euro (Antwort Frage 10)<\/li>\n<li>F\u00fcr Frauen lag das Medianentgelt der Vollzeitbesch\u00e4ftigten der Kerngruppe mit Angaben zum Entgelt zum Stichtag 31. Dezember 2018 bei 3.014 Euro. (Antwort der Bundesregierung, Tabelle 9)<\/li>\n<li>F\u00fcr M\u00e4nner lag das Medianentgelt der Vollzeitbesch\u00e4ftigten der Kerngruppe mit Angaben zum Entgelt zum Stichtag 31. Dezember 2018 bei 3.468 Euro.<\/li>\n<li>F\u00fcr unter 25 J\u00e4hrige lag das Medianentgelt der Vollzeitbesch\u00e4ftigten der Kerngruppe mit Angaben zum Entgelt zum Stichtag 31. Dezember 2018 bei 2.408 Euro.<\/li>\n<li>F\u00fcr Besch\u00e4ftigte zwischen 25 bis unter 50 Jahren lag das Medianentgelt der Vollzeitbesch\u00e4ftigten der Kerngruppe mit Angaben zum Entgelt zum Stichtag 31. Dezember 2018 bei 3.288 Euro.<\/li>\n<li>F\u00fcr Besch\u00e4ftigte ab 50 Jahren lag das Medianentgelt der Vollzeitbesch\u00e4ftigten der Kerngruppe mit Angaben zum Entgelt zum Stichtag 31. Dezember 2018 bei 3.570 Euro.<\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=wpv2posts1942&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=wpv2posts1942&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Auf die Kleine Anfrage \u00bbNiedrigl\u00f6hne in Deutschland\u00ab (BT-Drs. 19\/12290) von Susanne Ferschl u.a. und der Fraktion DIE LINKE im Bundestagkam diese Antwort der Bundesregierung. 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