{"id":1539,"date":"2018-10-01T07:25:07","date_gmt":"2018-10-01T05:25:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/?p=1539"},"modified":"2019-08-13T11:20:33","modified_gmt":"2019-08-13T09:20:33","slug":"fr-interview-mit-bernd-riexinger-die-sozialistische-arbeiterbewegung-hatte-immer-eine-internationale-perspektive","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/?p=1539","title":{"rendered":"FR-Interview mit Bernd Riexinger: Die sozialistische Arbeiterbewegung hatte immer eine internationale Perspektive."},"content":{"rendered":"<header>\n<h2><span class=\"small-title\">Linken-Vorsitzender Bernd Riexinger<\/span> <span class=\"title\">\u201eSichtbare soziale Verw\u00fcstung\u201c<\/span><\/h2>\n<p class=\"excerpt\">Woher kommt der Erfolg der AfD? Der Linken-Vorsitzende Bernd Riexinger spricht im Interview mit der FR \u00fcber Klassenkampf von oben, die Groko und Politikverdrossenheit.<\/p>\n<\/header>\n<figure><img class=\" lazyloaded\" title=\"Die Linke\" src=\"http:\/\/static3.fr.de\/storage\/image\/2\/6\/3\/6\/1146362_928x522_1rGtrU_5PFXI3.jpg\" sizes=\"928px\" srcset=\"http:\/\/static3.fr.de\/storage\/image\/2\/6\/3\/6\/1146362_928x522_1rGtrU_5PFXI3.jpg 928w, http:\/\/static3.fr.de\/storage\/image\/2\/6\/3\/6\/1146362_928x522-1392w_1rGtrU_5PFXI3.jpg 1392w, http:\/\/static3.fr.de\/storage\/image\/2\/6\/3\/6\/1146362_928x522-1856w_1rGtrU_5PFXI3.jpg 1856w\" alt=\"Die Linke\" data-sizes=\"928px\" data-srcset=\"http:\/\/static3.fr.de\/storage\/image\/2\/6\/3\/6\/1146362_928x522_1rGtrU_5PFXI3.jpg 928w, http:\/\/static3.fr.de\/storage\/image\/2\/6\/3\/6\/1146362_928x522-1392w_1rGtrU_5PFXI3.jpg 1392w, http:\/\/static3.fr.de\/storage\/image\/2\/6\/3\/6\/1146362_928x522-1856w_1rGtrU_5PFXI3.jpg 1856w\" data-src=\"http:\/\/static3.fr.de\/storage\/image\/2\/6\/3\/6\/1146362_928x522_1rGtrU_5PFXI3.jpg\" \/><figcaption class=\"img-text\"><span class=\"pi-text\">Bernd Riexinger sieht einen Klassenkampf von oben.<\/span> <span class=\"Fotograf\">Foto: imago<\/span><\/figcaption><\/figure>\n<section class=\"content-area\">\n<aside><\/aside>\n<p><strong><em>Herr Riexinger, was halten Sie von der Causa Maa\u00dfen? Inwiefern st\u00e4rkt sie Politikverdrossenheit?<\/em><\/strong><br \/>\nOffenbar hat Maa\u00dfen ein sehr freundschaftliches Verh\u00e4ltnis zur AfD und wird von Horst Seehofer gesch\u00fctzt. Angela Merkel und Andrea Nahles sind entweder begriffsstutzig oder haben keinerlei Gesp\u00fcr f\u00fcr die Lebenswelt der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger. Man muss sich das einmal vor Augen f\u00fchren: jeder Besch\u00e4ftigte, der heimlich die Konkurrenz mit Informationen versorgt, die Chefs bel\u00fcgt und der Firma einen schweren Imageschaden zuf\u00fcgt, w\u00fcrde hochkant rausgeschmissen. Maa\u00dfen hingegen wird Abteilungsleiter im Innenministerium.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong><em>Warum greift Kanzlerin Merkel nicht ein?<\/em><\/strong><br \/>\nDie Chuzpe von Seehofer macht ja gerade die Schw\u00e4che der Bundeskanzlerin deutlich. Die Causa Maa\u00dfen ist eine totale Blamage f\u00fcr Angela Merkel und die SPD. Unterm Strich bleibt bei den Menschen h\u00e4ngen: Erst dauert es ein halbes Jahr, bis \u00fcberhaupt eine Regierung zustande kommt, dann dauert es kaum ein halbes Jahr, bis sie sich wieder zerlegt. Das st\u00e4rkt nat\u00fcrlich nicht das Vertrauen in die Regierung. Als stinknormaler B\u00fcrger w\u00fcrde ich mich fragen, warum sich die SPD mehr mit CDU\/CSU \u00fcber einen Herrn Maa\u00dfen streitet als dar\u00fcber, wie meine Rente in Zukunft gesichert wird oder bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird.<\/p>\n<aside class=\"ckedit ck_zitat\">\n<section class=\"zitat leftbox S\">\n<h3><i class=\"iconic first\" title=\"double quote serif right\" data-glyph=\"double-quote-serif-right\" aria-hidden=\"true\"><\/i>Das Zeitalter der Gro\u00dfen Koalitionen ist vorbei, das zeigt die Erosion der CDU und der SPD. Die St\u00e4rke der AfD liegt in der Schw\u00e4che der Regierungspolitik.<i class=\"iconic last\" title=\"double quote serif left\" data-glyph=\"double-quote-serif-left\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/h3>\n<address>Bernd Riexinger<\/address>\n<\/section>\n<\/aside>\n<p><strong><em>Ist es nicht so, dass davon die AfD am meisten profitiert?<\/em><\/strong><br \/>\nNicht zwangsl\u00e4ufig. Das Zeitalter der Gro\u00dfen Koalitionen ist vorbei, das zeigt die Erosion der CDU und der SPD. Die St\u00e4rke der AfD liegt in der Schw\u00e4che der Regierungspolitik. Hinzu kommt, dass zahlreiche Forderungen von Gauland und Co seit 2015 von der GroKo \u00fcbernommen wurden. So bek\u00e4mpft man die extreme Rechte nicht, im Gegenteil. Die AfD hat inhaltlich nichts zu bieten, au\u00dfer einer Blut-und-Boden-Sozialpolitik und viel Demagogie. K\u00e4men Weidel und Gauland jemals an die Macht, w\u00fcrden weder die Renten steigen, noch g\u00e4be es gen\u00fcgend Fachkr\u00e4fte oder mehr Kita-Pl\u00e4tze. Deshalb ist der Erfolg der AfD davon abh\u00e4ngig, wie sich die anderen Parteien verhalten. Die SPD steht vor der Entscheidung, sich weiter in der Regierung von Seehofer zum Horst machen zu lassen oder endlich eine sozialdemokratische Politik zu vertreten. Die Linke steht stabil bei zehn Prozent. G\u00e4be es die Aussicht auf linke, also soziale und fortschrittliche Mehrheiten, w\u00fcrde die AfD ihren Protest-Bonus verlieren und absacken.<\/p>\n<aside class=\"ckedit ck_infotext\">\n<section class=\"infotext leftbox S\">\n<section>\n<hr \/>\n<article>\n<header>\n<h4>Bernd Riexinger<\/h4>\n<h5>Zur Person<\/h5>\n<\/header>\n<div class=\"ck_content\">\n<p>Bernd Riexinger (62) ist seit 2012 Co-Vorsitzender der Partei Die Linke.<\/p>\n<p>Sein aktuelles Buch \u201eNeue Klassenpolitik \u2013 Solidarit\u00e4t der Vielen statt Herrschaft der Wenigen\u201c ist jetzt im VSA Verlag Hamburg erschienen; 160 Seiten, 14,80 Euro.<\/p>\n<\/div>\n<\/article>\n<hr \/>\n<\/section>\n<\/section>\n<\/aside>\n<p><strong><em>Was wollen Sie der Politikverdrossenheit entgegensetzen? In Ihrem Buch \u201eNeue Klassenpolitik &#8211; Solidarit\u00e4t der Vielen statt Herrschaft der Wenigen&#8220; schreiben Sie von einer Solidarit\u00e4t ohne Grenzen. Ist es das, was der W\u00e4hler h\u00f6ren will?<\/em><\/strong><br \/>\nDie Ergebnisse des neuen Integrationsbarometers zeigen, dass eine Mehrheit der Bev\u00f6lkerung Zuwanderung als Bereicherung erlebt. Damit stehen deutlich mehr Menschen n\u00e4her bei uns als bei Seehofer oder der AfD. Ich beschreibe in meinem Buch, dass die ca. 18 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland nicht als Konkurrenten oder Belastung betrachtet werden k\u00f6nnen. Vielmehr haben sie erheblich zu unserem Wohlstand beigetragen.<\/p>\n<p><strong><em>K\u00f6nnen Sie das konkretisieren?<\/em><\/strong><br \/>\nIch lag k\u00fcrzlich im Krankenhaus. Ohne Migrant*innen h\u00e4tten die Patientinnen und Patienten kein Essen bekommen, die Betten w\u00fcrden nicht bezogen, die R\u00e4ume nicht gereinigt und die H\u00e4lfte der Physiotherapie w\u00e4re auch ausgefallen. Die Linke hat die Frage der Konkurrenz immer mit der Forderung nach gesetzlichen Mindestl\u00f6hnen, Tarifvertr\u00e4gen f\u00fcr alle und guter Sozialpolitik beantwortet, niemals mit Ausgrenzung. Au\u00dferdem haben wir immer zusammen mit den ausl\u00e4ndischen Besch\u00e4ftigten f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen und h\u00f6here L\u00f6hne gek\u00e4mpft.<\/p>\n<p><span id=\"artpager-1588747-1\"><\/span><strong><em>Meinen Sie das mit Solidarit\u00e4t ohne Grenzen?<\/em><\/strong><br \/>\nDie sozialistische Arbeiterbewegung hatte immer eine internationale Perspektive. Die Ziele der Franz\u00f6sischen Revolution \u2013 Freiheit, Gleichheit, Solidarit\u00e4t \u2013 haben universellen Anspruch. Niemals sollten sie nur f\u00fcr einen ausgew\u00e4hlten Teil der Menschheit gelten, sondern immer f\u00fcr alle gleicherma\u00dfen. \u201eSolidarit\u00e4t ohne Grenzen\u201c ist der Titel eines Kapitels in meinem Buch und bezieht sich auch darauf, dass im Zeitalter des globalen Neoliberalismus die Auseinandersetzungen zwischen Kapital und Arbeit mehr und mehr eine internationale Dimension erhalten.<\/p>\n<aside class=\"ckedit ck_zitat\">\n<section class=\"zitat leftbox S\">\n<h3><i class=\"iconic first\" title=\"double quote serif right\" data-glyph=\"double-quote-serif-right\" aria-hidden=\"true\"><\/i>Tatsache ist, dass gegen global operierende Konzerne zuk\u00fcnftig Arbeitsk\u00e4mpfe international gef\u00fchrt werden m\u00fcssen, weil andernfalls die Belegschaften in den einzelnen L\u00e4ndern gegeneinander ausgespielt werden.<i class=\"iconic last\" title=\"double quote serif left\" data-glyph=\"double-quote-serif-left\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/h3>\n<address>Bernd Riexinger<\/address>\n<\/section>\n<\/aside>\n<p><strong><em>Zum Beispiel?<\/em><\/strong><br \/>\nAktuell findet bei der Billig-Fluglinie Ryanair ein europ\u00e4ischer Arbeitskampf f\u00fcr h\u00f6here L\u00f6hne und bessere Arbeitsbedingungen statt. Die Mehrzahl der Stewardessen und Stewards kommt aus Polen, Spanien, Portugal, viele von ihnen haben studiert. Bei der Streik-Kundgebung, zu der ich vergangene Woche in Berlin eingeladen war, hat mir besonders ihre Solidarit\u00e4t imponiert. Die jungen Leute wissen genau, dass sie gegen einen Konzern wie Ryanair nur dann eine Chance haben, wenn sie sich nicht spalten lassen aufgrund von Hautfarbe, Nationalit\u00e4t oder Geschlecht. \u00c4hnliches passiert beim Handelskonzern Amazon. Die Kooperation der Belegschaften, die sich in den USA, in Polen, Spanien, Deutschland und vielen anderen L\u00e4ndern gegen Hungerl\u00f6hne und Total\u00fcberwachung am Arbeitsplatz wehren, wird enger. Tatsache ist, dass gegen global operierende Konzerne zuk\u00fcnftig Arbeitsk\u00e4mpfe international gef\u00fchrt werden m\u00fcssen, weil andernfalls die Belegschaften in den einzelnen L\u00e4ndern gegeneinander ausgespielt werden.<\/p>\n<p><strong><em>Internationaler Arbeitskampf, ein Rezept gegen Politikverdrossenheit?<\/em><\/strong><br \/>\nPolitikverdrossenheit entsteht meistens dann, wenn die gew\u00e4hlten Parteien ihre Wahlversprechen brechen und nicht bereit sind, eine Politik f\u00fcr die Verbesserung der Arbeits- und Lebensverh\u00e4ltnisse der Mehrheit zu machen. Der Milliard\u00e4r Warren Buffett hat recht, wenn er sagt: \u201eEs herrscht Klassenkampf und meine Klasse gewinnt.\u201c Wir erleben einen Klassenkampf von Oben, insbesondere in den letzten 40 Jahren, mit dem Ergebnis eines neoliberalen Umbaus, der sichtbar soziale Verw\u00fcstung hinterlassen hat. Stagnierende L\u00f6hne, Armut und Kinderarmut, vernachl\u00e4ssigte \u00f6ffentliche Infrastruktur, Pflegenotstand, Armutsrenten sind nur einige Stichworte daf\u00fcr. Mein Konzept einer verbindenden Klassenpolitik zielt darauf ab, dass Menschen mit unterschiedlichen Berufen, Biografien, prek\u00e4r und nicht prek\u00e4r Besch\u00e4ftigte, Menschen unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe zueinanderfinden und gemeinsam ihre Interessen vertreten. Deshalb der Titel des Buchs: Solidarit\u00e4t der Vielen statt Herrschaft der Wenigen.<\/p>\n<p><strong><em>Wie sieht f\u00fcr Sie eine linke Fl\u00fcchtlingspolitik aus?<\/em><\/strong><br \/>\nIn einer Zeit, in der gegen Fl\u00fcchtlinge, Ausl\u00e4nder und Muslime gehetzt wird, in der das Asylrecht mit F\u00fc\u00dfen getreten wird, muss es eine Partei geben, die nicht tatenlos zuschaut, wie Gefl\u00fcchtete im Mittelmeer ertrinken, Mauern um Europa gebaut werden, und Gefl\u00fcchtete in die L\u00e4nder abgeschoben werden, aus denen sie fliehen mussten. Unsere Fl\u00fcchtlingspolitik umfasst im Kern drei Punkte: Erstens wollen wir Fluchtursachen bek\u00e4mpfen. Das wollen alle, aber niemand tut es. Dabei kann man sofort etwas f\u00fcr eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung tun, zum Beispiel unfaire Agrarexporte stoppen. Man kann auch sofort die Waffenexporte stoppen, und endlich damit aufh\u00f6ren, Tod und Elend zu exportieren. Stattdessen genehmigt die GroKo Waffenexporte nach Saudi-Arabien.<\/p>\n<p>Zweitens streiten wir f\u00fcr eine soziale Offensive f\u00fcr alle. Es ist das st\u00e4ndige Mantra der Regierenden und der Rechten: Die unten sollen sich um die Brosamen streiten, damit sie den Blick nicht nach oben richten, dorthin, wo die eigentlichen Verursacher sind. Mit unserem Steuerkonzept k\u00f6nnten Milliarden daf\u00fcr verwendet werden, Gefl\u00fcchteten zu helfen und gleichzeitig die dr\u00e4ngenden sozialen Probleme zu l\u00f6sen. Es ist eine L\u00fcge, dass es nur f\u00fcr die einheimische Bev\u00f6lkerung oder f\u00fcr die Gefl\u00fcchteten reicht.<\/p>\n<p><span id=\"artpager-1588747-2\"><\/span>Drittens: Wer vor Krieg, Verfolgung und Armut zu uns flieht, dem m\u00fcssen wir helfen. Jeder Mensch, der an den Au\u00dfengrenzen Europas stirbt oder im Mittelmeer ertrinkt, ist ein schrecklicher Skandal, mit dem wir uns nicht abfinden. Wir brauchen sichere, legale Fluchtwege und offene Grenzen.<\/p>\n<p><strong><em>In der Linken sind nicht alle Ihrer Meinung. Ihnen wird beispielsweise vorgeworfen, die Bed\u00fcrfnisse der Arbeiterklasse zu ignorieren. Wie definieren Sie den Begriff der Arbeiterklasse? Sie sprechen von einer verbindenden Klassenpolitik.<\/em><\/strong><br \/>\nDieser Vorwurf kann mich wirklich nur am\u00fcsieren. Mein ganzes politisches Leben begleite ich die Lohnabh\u00e4ngigen und ihre K\u00e4mpfe, deren Interessen habe ich als Parteivorsitzender in den Vordergrund gestellt. Alle Menschen, die ihre Arbeitskraft verkaufen m\u00fcssen und keine unternehmerische Funktion aus\u00fcben, sind Teil der Klasse der Lohnabh\u00e4ngigen oder &#8211; klassisch gesprochen &#8211; der Arbeiter*innenklasse. Diese ist jedoch v\u00f6llig anders zusammengesetzt als noch vor 30 Jahren. Sie ist weiblicher und migrantischer geworden, sie ist deutlich h\u00e4ufiger im Dienstleistungsbereich und in prek\u00e4ren Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen t\u00e4tig als fr\u00fcher, und immer mehr haben Abitur oder studiert.<\/p>\n<aside class=\"ckedit ck_zitat\">\n<section class=\"zitat leftbox S\">\n<h3><i class=\"iconic first\" title=\"double quote serif right\" data-glyph=\"double-quote-serif-right\" aria-hidden=\"true\"><\/i>Eine verbindende Klassenpolitik meint eine Politik, die die Pflegekraft, den Leiharbeiter, die Verk\u00e4uferin, die Studentin und die Rentnerin ebenso wichtig nimmt wie diejenigen, die f\u00fcr Bleiberecht und gleiche Rechte von Gefl\u00fcchteten k\u00e4mpfen.<i class=\"iconic last\" title=\"double quote serif left\" data-glyph=\"double-quote-serif-left\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/h3>\n<address>Bernd Riexinger<\/address>\n<\/section>\n<\/aside>\n<p><strong><em>Was folgt daraus?<\/em><\/strong><br \/>\nEine verbindende Klassenpolitik meint eine Politik, die die Pflegekraft, den Leiharbeiter, die Verk\u00e4uferin, die Studentin und die Rentnerin ebenso wichtig nimmt wie diejenigen, die f\u00fcr Bleiberecht und gleiche Rechte von Gefl\u00fcchteten k\u00e4mpfen. Damit Menschen, die sich gegen steigende Mieten, f\u00fcr Klimaschutz und B\u00fcrgerrechte engagieren, ihre Kr\u00e4fte st\u00e4rker b\u00fcndeln und wir den Kampf gegen rechts mit der sozialen Frage und sozial-\u00f6kologischen Alternativen verbinden.<\/p>\n<p><strong><em>Stichwort Ostdeutschland. Hier tendieren immer mehr Menschen zur AfD. Sind das in Ihren Augen alles sogenannte \u201eAbgeh\u00e4ngte\u201c, von denen Politiker so gerne sprechen?<\/em><\/strong><br \/>\nEs ist verk\u00fcrzt, wenn jetzt gesagt wird, dass Ostdeutsche tendenziell rechtsradikal ticken. In Baden-W\u00fcrttemberg, wo ich herkomme, hat die AfD aus dem Stand 15% bei den Landtagswahlen erreicht. Ich teile auch die Logik nicht, dass wer keinen Job hat, automatisch bei \u201ePegida\u201c mitmarschiert. H\u00e4ufig sind es Menschen aus der Mittelschicht, 51 Prozent der AfD W\u00e4hler*innen haben einen akademischen Hintergrund. Es gibt keine Entschuldigung f\u00fcr Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung, auch nicht das eigene Elend. Fest steht aber: Der Aufstieg der Rechten und die neoliberale Politik der vergangenen drei Jahrzehnte sind zwei Seiten derselben Medaille. Wo Menschen im Wettbewerb gegeneinander ausgespielt werden und Lebenssicherheit auf der Strecke bleibt, wird immer nach S\u00fcndenb\u00f6cken gesucht. De facto besitzen die Reichen, die 1 Prozent der Bev\u00f6lkerung in diesem Land ausmachen, \u00fcber 30 Prozent des gesamten Verm\u00f6gens. Die untere H\u00e4lfte besitzt zusammen gerade mal 1 Prozent. Wir wollen, dass die Lohnabh\u00e4ngigen und Erwerbslosen ihre Interessen gegen die Klasse der Kapitalbesitzer durchsetzen &#8211; nicht gegen Gefl\u00fcchtete und Migranten.<\/p>\n<p><strong><em>Sie gelten als Kritiker der Sammelbewegung #Aufstehen. Wieso die Abwehrhaltung?<\/em><\/strong><br \/>\nMir ist nicht klar, was der zweite und dritte Schritt der Sammelbewegung werden soll. Die Politik der Bundesregierung, wie auch der anderen Parteien \u00e4ndern wir nicht durch Klicks, sondern durch tats\u00e4chliche Gegenwehr. Die findet gerade statt. Zehntausende protestieren gegen Rassismus und gegen rechts, f\u00fcr bezahlbare Wohnungen oder k\u00e4mpfen gegen den Pflegenotstand. Die Linke ist dort aktiv dabei, in B\u00fcndnissen und Initiativen. Das ist unser Ansatz und den werden wir st\u00e4rken.<\/p>\n<p><em>Interview: Katja Thorwarth<\/em><\/p>\n<\/section>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=wpv2posts1539&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=wpv2posts1539&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Linken-Vorsitzender Bernd Riexinger \u201eSichtbare soziale Verw\u00fcstung\u201c Woher kommt der Erfolg der AfD? 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