{"id":1487,"date":"2018-07-11T16:39:08","date_gmt":"2018-07-11T14:39:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/?p=1487"},"modified":"2018-07-18T11:01:27","modified_gmt":"2018-07-18T09:01:27","slug":"digitalisierung-mit-uns-mit-bestimmt-eine-kleine-kritische-anmerkung-zum-dgb-forum-2018-am-29-juni-in-karlsruhe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/?p=1487","title":{"rendered":"#DIGITALISIERUNG &#8211; MIT UNS (MIT-) BESTIMMT . . . eine kleine kritische Anmerkung zum &#8222;DGB-Forum 2018&#8220; am 29. Juni in Karlsruhe"},"content":{"rendered":"<p><em>Von Walter Kubach und Stefan Dreher<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><strong>Hut ab vor dem neuen DGB-Chef Martin Kunzmann<\/strong>: Ein solches Forum auf die Beine zu stellen, ist f\u00fcr Baden-W\u00fcrttembergische DGB-Verh\u00e4ltnisse eine v\u00f6llig neue Qualit\u00e4t, an die wir uns gerne wieder gew\u00f6hnen wollen.<\/p>\n<p>Und die Ausgangs-Statements und die Ausgangs-Fragestellungen waren v\u00f6llig richtig formuliert und mehr als auf der H\u00f6he der Zeit:<\/p>\n<p><em>&#8222;Der Mensch gestaltet die Technik, nicht umgekehrt. Die Humanisierung der Arbeitswelt bleibt Auftrag f\u00fcr uns Gewerkschaften.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Oder:<\/p>\n<p><em>&#8222;Wie k\u00f6nnen die technischen M\u00f6glichkeiten dazu genutzt werden, die Arbeitsbedingungen zu verbessern? Welcher Schutzrahmen f\u00fcr Besch\u00e4ftigte ist n\u00f6tig? Wie kann der Datenschutz der Besch\u00e4ftigten gew\u00e4hrleistet werden in Zeiten von Big Data? Welche Instrumente der Weiterbildung braucht es, damit m\u00f6glichst alle Beteiligten eine Chance auf Qualifizierung haben? Wie k\u00f6nnen die Arbeitsbedingungen in neu entstehenden Arbeitsformen fair gestaltet werden?&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Eine wirklich gro\u00dfe Erkenntnis der gesamten Veranstaltung war, dass dieser Prozess, um den es hier geht, ein schleichender ist. Keine Firma, keine Beh\u00f6rede wird gegen\u00fcber dem Betriebs- oder Personalrat sagen: &#8222;So, jetzt machen wir 4.0.&#8220; Und diesem schleichenden Prozess entgegenzuwirken, so die Erkenntnis, m\u00fcssen die R\u00e4te pro-aktiv agieren. Sie m\u00fcssen es sein, die eine Gesamtkonzeption einfordern oder mitentwickeln m\u00fcssen, da ansonsten die Gefahr besteht, dass die Prozesse unter dem &#8211; auch objektiven &#8211; Mitbestimmungslevel ablaufen und am Ende die Besch\u00e4ftigten entrechtet und mit leeren H\u00e4nden dastehen.<!--more--><\/p>\n<p>Dennoch, trotz des Lobes, erlauben wir uns zwei kritische Anmerkungen:<\/p>\n<p><strong>1. Druck auf die Politik? Weitgehend Fehlanzeige . . .<\/strong><\/p>\n<p>Im Forum 4 (Neue Arbeitsformen und Gesch\u00e4ftsmodelle &#8211; Alte Probleme), an dem wir teilgenommen haben, erl\u00e4uterte der NGG-Sekret\u00e4r Sebastian Carls die Organizing-Strategie im Bereich der Gig-Worker (Gig = Auftritt, sie arbeiten wie bei einem Auftritt und sind dann wieder weg. Es sind Fahrradkuriere, die sich ihre Jobs \u00e4hnlich wie bei Uber \u00fcber eine Internet-Platform angeln). Es sind komplizierte Verh\u00e4ltnisse mit Menschen, die es nat\u00fcrlich lieben, durch die Stadt zu radeln, und das &#8222;auch noch bezahlt kriegen&#8220;. Und soziale Absicherung? Naja? Wir glauben, wir h\u00e4tten bei solchen Freelancer-Cowboys dann doch irgendwie kulturelle Probleme.Wie dem auch sei: Carls kriegt da gewerkschaftlich offensichtlich Beachtliches hin.<\/p>\n<p>Was uns dann aber erstaunte, das war sein nicht vorhandenes Verh\u00e4ltnis zur Politik: Er analysiert richtigerweise, dass bei den derzeitigen Mehrheitsverh\u00e4ltnissen aus der Politik nichts zu erwarten sei. Diese Analyse k\u00f6nnte aber bedeuten, dass in der Folgerichtigkeit es eben nicht reicht, es bei der Analyse zu belassen, sondern dass &#8222;die Gewerkschafter*innen&#8220; der Politik Druck machen m\u00fcssen. Und Politik hei\u00dft eben: Die Parteien, die die neoliberale Wirklichkeit verwalten, unter Druck setzen, sich dazu Partner wie zum Beispiel die Linke zu suchen. Aber wie gesagt: Dieser Schritt blieb aus. Eine Forderung an &#8222;die Politik&#8220; wurde nicht erhoben.<\/p>\n<p>Die einzige solche Forderung fanden wir im Schlusswort: Die DGB-Vize Gabriele Fenzer-Wolf forderte die Landesregierung auf, die Finger vom Landes-Bildungszeit-Gesetz zu lassen. Aber das, das war&#8217;s dann auch.<\/p>\n<p>Wenn wir jetzt ganz b\u00f6se w\u00e4ren, w\u00fcrden wir behaupten, dass der DGB, die Gewerkschaften und viele Funktion\u00e4r*innen seitens ihrer ach so hei\u00dfgeliebten SPD im letzten Jahrzehnt nichts Brauchbares geliefert kriegten, als das Landes-Bildungszeit-Gesetz. Na klar muss genau das jetzt verteidigt sein, und alles andere f\u00e4llt untern Tisch. Wohl auch wissend, dass die hei\u00dfe Liebe bei genauer Betrachtung nur einseitig ist?<\/p>\n<p><strong>2. Co-Management als Erfolgsmodell<\/strong><\/p>\n<p>Bosch-Entwickler arbeiten\u00a0 jetzt flexibel und ergebnisorientiert. Personaler und Betriebsr\u00e4te haben die Arbeit der Besch\u00e4ftigten zeitlich und \u00f6rtlich entgrenzt. Was nach hoher individueller Freiheit aussieht birgt die Gefahr der\u00a0 Selbstausbeutung. Der Verzicht auf die Mitbestimmung, die im Forum-2018-Titel noch angepriesen wird, wird zum Teil hergegeben.<\/p>\n<p>Nun, die Betriebsr\u00e4te von Bosch feiern das als Erfolg. Der Referent vom Bosch Gesamtbetriebsrat, Peter Wolf, formulierte das ungef\u00e4hr so, dass sich der Betriebsrat nicht beliebt macht, wenn er einen Entwickler des nachts um zehn vom Werksschutz vom Betriebsgel\u00e4nde f\u00fchren l\u00e4sst, wo er doch grade die besten Ideen hat.<\/p>\n<p>Tarifliche Arbeitszeitregelungen versuchen, innerhalb der Branche so was \u00c4hnliches wie Chancengleichheit herzustellen. Die Ausweitung der regelm\u00e4\u00dfigen Arbeitszeit spart dem Arbeitgeber zuschlagsfreie \u00dcberstunden und bringt dadurch einen Wettbewerbsvorteil gegen\u00fcber der Konkurrenz. Auf die Frage, aus dem Publikum, ob es denn die Aufgabe des Betriebsrates w\u00e4re, f\u00fcr solche betrieblichen und wirtschaftlichen Vorteile Regelungen zu schaffen, und wie dieser Umstand bei den Betriebsr\u00e4ten diskutiert wurde, gab es nur eine ausweichende Antwort. Dass sich hier die Co-Manager als \u201edie Erfolgreichen\u201c bei einem DGB-Forum vorstellen\u00a0 durften, zeigt aber auch, dass beim DGB die Diskussionen noch nicht wieder in der Tiefe gef\u00fchrt werden, wie es eigentlich von einem Gewerkschafts-Dachverband zu erwarten w\u00e4re.<\/p>\n<p>Nun ja, auch ein Martin Kunzmann steht da erst am Anfang&#8230;<\/p>\n<p>Alle Tischvorlagen beim Forum: <a href=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/180629_DGB-Forum_Karlsruhe.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">KLICK<\/a><br \/>\nZur homepage des Forums: <a href=\"http:\/\/bw.dgb.de\/themen\/++co++4447b912-7dfa-11e8-ba4c-52540088cada\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">KLICK<\/a><\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=wpv2posts1487&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=wpv2posts1487&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Walter Kubach und Stefan Dreher Hut ab vor dem neuen DGB-Chef Martin Kunzmann: Ein solches Forum auf die Beine zu stellen, ist f\u00fcr Baden-W\u00fcrttembergische DGB-Verh\u00e4ltnisse eine v\u00f6llig neue Qualit\u00e4t, an die wir uns gerne wieder gew\u00f6hnen wollen. 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