{"id":1044,"date":"2014-08-29T14:42:47","date_gmt":"2014-08-29T12:42:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/?p=1044"},"modified":"2014-08-29T14:42:47","modified_gmt":"2014-08-29T12:42:47","slug":"fruher-war-ich-nach-der-arbeit-mude-heute-kaputt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/?p=1044","title":{"rendered":"Fr\u00fcher war ich nach der Arbeit m\u00fcde. Heute kaputt."},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignright\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.michael-schlecht-mdb.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/m%C3%BCdekaputt.jpg\" width=\"345\" height=\"498\" \/><em><strong>von Michael Schlecht<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Arbeit ist das halbe Leben, hei\u00dft es, doch diese H\u00e4lfte wird immer gr\u00f6\u00dfer und immer anstrengender. Stress, Hetze, \u00dcberstunden, Termin- und Leistungsdruck sind heute \u00fcblich. Immer h\u00e4ufiger f\u00fchrt das Arbeitsleben zu Depression und Fr\u00fchverrentung. H\u00f6chste Zeit also f\u00fcr ein Anti-Stress-Gesetz. Arbeitsministerin Andrea Nahles allerdings will lieber nichts \u00fcberst\u00fcrzen. CDU-Vize Michael Fuchs findet das gar eine \u201edekadente\u201c Idee.<\/p>\n<p>Fuchs ist gegen ein Gesetz, das den Feierabend der Arbeitnehmer vor dem Zugriff ihres Chefs sch\u00fctzt. \u201eSolch realit\u00e4tsferne Ideen k\u00f6nnen sich nur dekadente Gesellschaften leisten\u201d, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion. Das W\u00f6rterbuch der deutschen Sprache definiert Dekadenz als \u201ekulturellen Verfall, der sich in einer \u00fcbertriebenen Verfeinerung des Geistes und der Sinne \u00e4u\u00dfert\u201c. Sind die deutschen Besch\u00e4ftigten alle zu Weicheiern geworden?<\/p>\n<p>Wie sieht das Leben im \u201edekadenten\u201c Deutschland heute aus? Die Fakten sind mal wieder eindeutig. Zum einen wird die Arbeit immer produktiver. Pro Arbeitsstunde wird heute in der Industrie doppelt so viel produziert wie noch 1991. Man k\u00f6nnte also Arbeitszeit mit vollem Lohnausgleich reduzieren und gleichzeitig die Arbeit entspannter gestalten.<\/p>\n<p>Aber so ist es nicht. Denn nicht die Produktivit\u00e4t z\u00e4hlt f\u00fcr die Unternehmen, sondern die Rentabilit\u00e4t. Profit geht vor Lebensgl\u00fcck. Und das macht das Arbeitsleben immer h\u00e4rter. Immer mehr Jobs sind unsicher und zeitlich befristet, was die Angst vor Job-Verlust sch\u00fcrt. Immer weniger Menschen sind durch Tarifvertr\u00e4ge gesch\u00fctzt, sondern ihren Arbeitgebern ausgeliefert. Schichtdienst, Nacht- und Wochenend-Arbeit nehmen zu, mehr als jeder vierte Deutsche arbeitet laut Eurostat regelm\u00e4\u00dfig am Abend. Die Angst vor Hartz IV tut ihr \u00dcbriges, um die Menschen gef\u00fcgig zu machen.<!--more--><\/p>\n<p>Nach einer Umfrage der Ersatzkrankenkassen muss jeder f\u00fcnfte Arbeitnehmer auch nach Feierabend dem Arbeitgeber zur Verf\u00fcgung stehen. Laut Bundesanstalt f\u00fcr Arbeitsschutz klagt die H\u00e4lfte der Deutschen \u00fcber wachsenden Stress im Job. Jeder zweite Befragte leidet unter st\u00e4ndigem Termin- und Leistungsdruck. Jeder Vierte verzichtet auf eine Pause.<\/p>\n<p>Den Turbo-Kapitalismus halten viele nicht lange aus: Burn-out, Depressionen, psychische Probleme sind die Folgen, die auch wirtschaftlich verheerend sind. Mehr als 60 Millionen Arbeitsunf\u00e4higkeitstage gingen 2012 auf das Konto \u201ePsychische und Verhaltensst\u00f6rungen\u201c. Unaufhaltsam w\u00e4chst der Anteil jener, die wegen psychischer oder Verhaltensst\u00f6rungen vorzeitig in Rente gehen m\u00fcssen. Seit 1993 ist er bei den M\u00e4nnern von 12 auf 36 Prozent gestiegen und bei den Frauen von 20 auf 49 Prozent.<\/p>\n<p>Die LINKE hat die Bundesregierung in einer kleinen Anfrage nach den Gr\u00fcnden f\u00fcr die zunehmende psychische Belastung gefragt. Von Rendite und Profit und Deregulierung des Arbeitsmarkts ist in der Antwort keine Rede. Als Ursachen sieht die Bundesregierung dagegen die \u201eKommunikationstechnik\u201c, \u201eInformationsflut\u201c, die \u201eBeschleunigung von Fertigungsprozessen\u201c, \u201eGlobalisierung\u201c, \u201eStrukturwandel, \u201eFlexibilisierung\u201c und \u201eSubjektivierung\u201c \u2013 also anonyme \u201eKr\u00e4fte\u201c und Tendenzen, die keine Profiteure und keine Urheber mehr kennen.<\/p>\n<p>Arbeitsministerin Nahles k\u00fcndigt nun vollmundig eine Anti-Stress-Verordnung an. Sie l\u00e4sst jetzt pr\u00fcfen, ob und wie es m\u00f6glich sei, \u00abBelastungsschwellen\u00bb festzulegen. Erste Ergebnisse werden f\u00fcr 2015 erwartet; konkrete Schritte werden also noch auf sich warten lassen.<\/p>\n<p>Die LINKE sagt dagegen: Genug gepr\u00fcft! Die Faktenlage spricht eine eindeutige Sprache. Wir unterst\u00fctzen die Forderung der Gewerkschaften nach einer Anti-Stress-Verordnung. Beispiele, wie diese rechtlich sicher umgesetzt werden kann, gibt es in unseren Nachbarl\u00e4ndern zur Gen\u00fcge.<\/p>\n<p>Die Arbeitszeit muss nach den Bed\u00fcrfnissen der Besch\u00e4ftigten ausgerichtet werden. Abend-, Wochenend- und Schichtarbeit darf es nur geben, wenn es unvermeidlich ist. Im Betriebsverfassungsgesetz sind erzwingbare Rechte einzuf\u00fchren, durch die die Belegschaften bei der Gestaltung von Arbeitsaufgaben, Arbeitsorganisation und Arbeitsumfeld mitbestimmen k\u00f6nnen. Der Betriebsrat muss in vielen F\u00e4llen ein Veto-Recht haben.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=wpv2posts1044&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=wpv2posts1044&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Michael Schlecht Arbeit ist das halbe Leben, hei\u00dft es, doch diese H\u00e4lfte wird immer gr\u00f6\u00dfer und immer anstrengender. 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