{"id":1002,"date":"2014-04-01T00:48:21","date_gmt":"2014-03-31T22:48:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/?p=1002"},"modified":"2014-04-01T00:48:21","modified_gmt":"2014-03-31T22:48:21","slug":"interview-mit-verdi-chef-bsirske-eskalation-nicht-ausgeschlossen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/?p=1002","title":{"rendered":"Interview mit Verdi-Chef Bsirske: \u201eEskalation nicht ausgeschlossen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Ausweitung des Tarifkampfes m\u00f6glich \u2022 Bsirske lehnt Tarifeinheit ab<\/p>\n<div><strong><\/strong><\/p>\n<h2>Berlin. Die Gewerkschaft Verdi geht nach den Worten ihres Vorsitzenden Frank Bsirske zuversichtlich in die am Montag anstehende Verhandlungsrunde \u00fcber einen Tarifabschluss f\u00fcr die \u00f6ffentlich Bediensteten von Bund und Kommunen.<\/h2>\n<\/div>\n<div><strong>Warnstreik: Die Gewerkschaft Verdi hat w\u00e4hrend der laufenden Tarifverhandlungen mehrmals zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Die Lage kann sich nach Meinung von Verdi-Chef Frank Bsirske zuspitzen.\u00a0<\/strong><\/div>\n<p>Warum Bsirske vor dem aktuellen Hintergrund des geplanten Piloten-Streiks die Tarifeinheit ablehnt, also das Prinzip, wonach in einem Betrieb nur die Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern einen Tarifvertrag abschlie\u00dfen darf, erkl\u00e4rte er im Interview.<!--more--><\/p>\n<p>Herr Bsirske, die Arbeitgeberseite geht von einem Tarifabschluss bei der heute anstehenden Verhandlungsrunde mit Verdi aus. Teilen Sie den Optimismus?<\/p>\n<p><strong>Frank Bsirske:<\/strong> Nach dem bisherigen Stand liegen wir in zentralen Fragen noch weit auseinander. Das reicht vom Volumen der Lohnsteigerungen bis zur Tarifstruktur mit sozialer Komponente. Wenn die Arbeitgeber unter dem Eindruck der Warnstreiks in der letzten Woche eine rasche Einigung f\u00fcr heute oder morgen anstreben, dann kann ich das nur begr\u00fc\u00dfen. Wir tun das auch.<\/p>\n<p>Aber die Arbeitgeber haben noch kein konkretes Angebot unterbreitet. Was macht Sie da so zuversichtlich?<\/p>\n<p><strong>Bsirske:<\/strong> Am Ende werden wir ein Gesamtpaket schn\u00fcren m\u00fcssen. Das kann auch im Zuge der Verhandlungen erarbeitet werden. Wir haben in der Vorwoche \u00fcber 200.000 Verdi-Mitglieder auf die Stra\u00dfe gebracht. Es liegt in ihrem Interesse, aber nat\u00fcrlich auch in dem aller anderen B\u00fcrger, die einen intakten \u00f6ffentlichen Dienst brauchen, rasch zu einem guten Abschluss zu kommen.<\/p>\n<p>Was, wenn die H\u00e4ngepartie bei den Verhandlungen trotzdem weitergeht?<\/p>\n<p><strong>Bsirske:<\/strong> Ich gehe davon aus, dass eine der beteiligten Seiten dann die Schlichtung anruft. Dann herrscht f\u00fcr die anschlie\u00dfenden drei bis vier Wochen Friedenspflicht. Wobei die Schlichtung durch externe Experten nat\u00fcrlich keine Gew\u00e4hr bietet, dass am Ende eine Einigung steht.<\/p>\n<p>Und dann wird gestreikt?<\/p>\n<p><strong>Bsirske:<\/strong> Ein gro\u00dfer Arbeitskampf ist dann nicht ausgeschlossen. Da w\u00e4re noch jede Menge Zuspitzung drin. Aber ich gehe davon aus, dass das Signal der Warnstreiks bei den Arbeitgebern angekommen ist und wir zu einem guten Abschluss kommen. Nach den j\u00fcngsten Arbeitgeber-Aussagen sehe ich die Chancen daf\u00fcr bei 50 zu 50.<\/p>\n<p>In der Vorwoche hatte Verdi auch die Lufthansa durch Streiks lahmgelegt. In dieser Woche wollen die Lufthansa-Piloten in den Ausstand treten. Wie sollen das die betroffenen Passagiere noch verstehen?<\/p>\n<p><strong>Bsirske:<\/strong> Verdi ist nicht dazu da, die Forderungen der Pilotenvereinigung Cockpit zu kommentieren, die fast 100 Prozent der gewerkschaftlich organisierten Lufthansa-Piloten vertritt. Cockpit hat zu dem Streik aufgerufen, von dem auch wir hoffen, dass er vielleicht noch abgewendet werden kann.<\/p>\n<p>Warum machen Sie sich nicht f\u00fcr die Tarifeinheit stark, um eine solche Streikwelle von vornherein zu unterbinden?<\/p>\n<p><strong>Bsirske:<\/strong> Die Tatsache, dass Verdi die Mehrheit der gewerkschaftlich organisierten Besch\u00e4ftigten im Lufthansa-Konzern stellt, kann nicht dazu f\u00fchren, die Pilotenvereinigung Cockpit kaltzustellen.<\/p>\n<p>Wir stehen nicht daf\u00fcr zur Verf\u00fcgung, Tarifvertr\u00e4ge von Cockpit zu unterbieten. Denn dann w\u00fcrden wir uns ja zu Handlangern der Arbeitgeber machen. Das Streikrecht ist ein Grundrecht, deshalb lehnen wir jeden gesetzlichen Eingriff ab.<\/p>\n<p>Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles hat aber bereits angek\u00fcndigt, die Tarifeinheit noch in diesem Jahr gesetzlich abzusichern. Was sagen Sie dazu?<\/p>\n<p><strong>Bsirske:<\/strong> Noch mal, wir lehnen eine Einschr\u00e4nkung des Streikrechts ab. Deshalb stehen wir auch der Gesetzesinitiative, wie sie Frau Nahles plant, kritisch und ablehnend gegen\u00fcber. Es gibt viele Stimmen, die bezweifeln, dass ein solches Gesetz verfassungsrechtlich Bestand h\u00e4tte. Und es w\u00e4re absurd, um beim Beispiel Lufthansa zu bleiben, dass Verdi f\u00fcr die Piloten Tarifvertr\u00e4ge machen soll, die nahezu komplett in einer anderen Gewerkschaft organisiert sind<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=wpv2posts1002&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/index.php?rest_route=wpv2posts1002&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/www.betriebundgewerkschaft-bw.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausweitung des Tarifkampfes m\u00f6glich \u2022 Bsirske lehnt Tarifeinheit ab Berlin. 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